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Wir sind wieder da



Am 7. Mai bestiegen Kruemel und ich den Flieger nach Hause.

 Im Kreise der Familie verbrachten wir den Tag der Ankunft. Ein langes Jahr hatte wir uns nicht mehr gesehen, da gab es viel zu erzaehlen. Besonders genoss ich, meinen kleinen Enkel Julian wieder in die Arme schliessen zu koennen. Er hat inzwischen laufen und sprechen gelernt und sich vom Baby zum Kleinkind entwickelt, der einzige Wehmutstropfen meiner grossartigen Reise - die vielen kleinen Entwicklungsschritte hatte ich nicht mitbekommen. Aber dank Skype war ich fuer ihn keine Fremde - hatte er seine Oma bisher nur auf dem Bildschirm sehen koennen, konnte er mich nun endlich in Echt sehen, anfassen und knuddeln.

 Lange hat es gedauert, bis ich mich wieder einfinden konnte, die vielen vielen Eindruecke klangen noch in mir nach. Viel unerledigte Sachen musste ich aufholen, jetzt aber sind die Wogen endlich geglaettet, mein Radl wurde einer gruendlichen Inspektion unterzogen und nun bin ich endlich wieder frei fuer neue Abenteuer.

Mai 2010 - das Ende einer grossen Reise   

Ueber Mount Vernon, dem Landsitz des ersten Praesidenten der USA - George Washington naeherte ich mich der Hauptstadt der USA - Washington D.C. Der weitraeumige Landsitz nahe dem Ort Mount Vernon in Virginia, dient heute als Museum. Und so musste ich mich an vielen Autos und Touristenbussen vorbeischlaengeln um den Einstieg in den Mount Vernon Bike Trail zu finden. Diesem folgte ich dann bis zur Arlington Memorial Bridge , die mich von Alexandria ueber den Ptomac River nach Washington D.C. fuehrte. Bergab rollte mein Radl von alleine und so konnte ich die herrliche Waldlandschaft und den gut ausgebauten Biketrail in vollen Zuegen geniessen. Am Potomac River war ich nur noch eine von vielen Radlern und wurde von den Kollegen haeufig gegruesst oder angesprochen. Jenseits der Bruecke, in Washington D.C. traf ich aufs Lincoln Memorial und machte erstmal Pause. Schnell waren nicht mehr das geschichtstraechtige weisse Saeulengebilde sondern Kruemel und ich die Hauptattraktion. Digitalkameras klickten, ich musste so einigen Touristen Rede und Antwort stehen. Sehr bald machte ich mich wieder auf die Socken, fuhr durch den Park am Washington Monument vorbei (ein weithin sichtbarer Obelisk), mein Ziel der Highway 1 , der mich aus der Stadt hinaus nach Baltimore fuehren sollte. Aber die an den Park angrenzenden Strassen waren weitraeumig gesperrt, es fand gerade eine Art Faschingsumzug statt. Ich fragte einen der Ordnungshueter am Strassenrand wie ich denn am besten die Strassensperren umgehen und zum Highway 1 gelangen koennte. "Den Highway 1 gibts hier nicht, der ist in Virginia, sie sind hier in Washington D.C. meine Liebe, da verwechseln sie wohl was". Ich deutete auf die Karte und zeigte dem Uniformierten den Highway 1 in Washington D.C. "Ach so, den meinen Sie, ja da muessen sie aber einen Umweg machen, die Strasse hier ist gesperrt". Na, beinahe haette ich es mir gedacht. Schliesslich fand ich auch ohne Cop den Hwy 1 und war froh, die wuselige Stadt hinter mir zu lassen. Ueber Baltimore in Maryland erreichte ich schliesslich Pennsylvania und Doylestown, den Ausgangs- und Endpunkt meiner Reise.

 Mit koestlichem Nudelauflauf wurden Kruemel und ich von meiner Familie in Doylestown empfangen. Die noch verbliebenen letzten Wochen in den USA verbrachte ich so oft wie moeglich mit Enkelchen Philip. Morgens in den Kindergarten bringen, Mittags wieder abholen, im Sandkasten spielen und spazierengehen. Er ist jetzt schon 19 Monate und lernt gerade sprechen - zweisprachig kauderwelscht er drauf los, englisch, deutsch, englisch in lustiger Mischung.

 Einen spannenden Tag durfte ich in der Lenape Middle School verbringen, wo ich von der Deutschlehrerin Inge eingeladen war, in 5 Deutschklassen Vortraege zu halten und von meinen Abenteuern zu erzaehlen. Sehr interessant fuer mich, eine amerikanische Schule von innen kennen zu lernen und mit den Schuelern zu diskutieren. Beindruckt war ich von deren Disziplin, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit. Es hat mir grossen Spass gemacht, vielen Dank liebe Inge.

 Zum grossen Abschluss meiner fantastischen Amerikatour unternahm ich mit Toechterlein Steffi einen Ausflug nach New York City. Auch dort stieg ich nochmal aufs Radl, trat aber diesmal nicht selbst in die Pedale sondern lies mich kutschieren - von unserem Rikshafahrer Jason. Einmal nicht selber anstrengen sondern zuruecklehnen und bequem die Haeuserblocks der 5th Avenue, die Yellow Cabs und die Leute an mir vorueberziehen lassen. Wie schnell doch dieses herrliche Jahr vergangen ist.

             

                                                                          

     Maerz 2010 - die Rueckfahrt


Key West war der suedlichste Punkt meiner Reise. Von dort aus geht es nur noch in eine Richtung: Nach Norden und zurueck nach Philadelphia. Die Fahrt ueber die Keys habe ich sehr genossen, herrlicher Sonnenschein, azurblauer Ozean und weisse Straende so weit das Auge reicht. Die Ueberfahrt von Key Largo zurueck aufs Festland nach Suedflorida war gefaehrlich. Ich geriet in eine 10 KM lange Baustelle. Nur 1 Fahrspur, Betonwaende begrenzten die Fahrbahn. Es gab keinen Randstreifen und so musste ich auf starkbefahrener Strasse fahren, blockierte regelmaessig den Verkehr. An manchen Stellen konnte ich direkt auf der Baustelle fahren und so dem Verkehr ausweichen. Aber einmal fuehrte mich ein solches Ausweichmanoever in einen Engpass aus dem ich alleine nicht mehr rauskam. Links war die Betonwand, die es mir unmoeglich machte, auf die Fahrbahn zu kommen, rechts ging es 2 Meter nach unten, nach vorne wurde der Fahrstreifen auf dem ich mich befand, immer enger und es war abzusehen, dass ich irgendwann nicht mehr weiter kommen wuerde. Ich steckte fest. Die Rettung kam in Form eines Bauarbeiters, der mit seinem Pickup zufaellig vorbeifuhr. Er half mir, Rad, Trailer und Gepaeck die 2 Meter nach unten zu heben. Von dort aus fand ich wieder Anschluss zur Strasse. Heilfroh war ich , als nach vielen Kilometern die Baustelle endlich endete und ich dieses Abenteuer heil ueberstanden hatte.

Ich benutzte weiterhin die ausgezeichneten Radkarten der Aventure Cycling Association, die mich auf gut ausgebauten und wenig befahrenen Highways entlang der Atlantikkueste ueber Miami, Fort Lauderdale und West Palm Beach nach Norden dirigierten. Miami und Fort Lauderdale waren fuer meinen Geschmack zu laut, zu viele Autos und Menschen. Umso mehr genoss ich es, durch West Palm Beach zu fahren. Noch nie zuvor hatte ich soviele herrliche Prachtvillen und Prunkbauten mit Bootsanleger direkt vor der Haustuer gesehen. In Daytona Beach kam ich gerade rechtzeitig um die Bike Week hautnah mitzuerleben. Tausende von Motorraedern summten wie Bienen an mir vorbei. Auf dem Campingplatz in Daytona hatte ich die ganze Nacht lang das zweifelhafte Vernuegen, dass die Motorraeder in ca 2 Meter Entfernung an meinem Zelt vorbeifuhren. Obwohl der Campground um 22.00 Uhr die Pforten schloss, riess der Strom der herein und hinausfahrenden Biker nicht ab. 
                      

  In Jacksonville ging ich wiedermal vor Extremwetter in Deckung. Schwere Regenfaelle fuer 2 Tage. Janet, die ich in Lehigh Acres kennengelernt hatte, bot mir an, in ihrer Ferienwohnung dort zu wohnen. Sehr gemuetlich in einer Gated Golfcommunity gelegen, fuehlte ich mich dort sehr wohl. Kaum dort angekommen, ging ich erstmal einkaufen und kochte mir dann was leckeres. Kaum hatte ich mich so richtig sattgegessen, klopfte es an der Wohnungstuer. Cynthia, die Nachbarin stand vor der Tuer und reichte mir selbstgekochtes Beefstew mit Reispudding zum Nachtisch. Fuer Kruemel hatte sie einen Huehnerschenkel gekocht. Wie gut, dass Radfahrer ja bekannt sind fuer ihren guten Appetit. Es dauerte nicht lange und ich fand mich in der Lage, auch das Beefstew mit Nachtisch an diesem Abend noch zu verputzen. Kruemel hatte uebrigens keinerlei Probleme mit dem Huehnerschenkel.

Ganz in der Naehe von Cape Canaveral, wo sich das Kennedy Airspace Centre befindet, meldete ich mich fuer eine warme Nacht im Motel an. Hier ist es schon empfindlich kuehler als in Suedflorida und ich freute mich aufs warme Bett. Als ich ankam, wurde ich von den amerikanischen Besitzer herzlichst begruesst, im Zimmer stand ein Obstkorb auf dem Tisch , eine Visitenkarte steckte zwischen Floridaapfelsinen und Bananen : Welcome Regina, thank you that you stay at our place. Spaeter riefen sie mich nocheinmal aus dem Zimmer, um den naechsten Raketenlaunch in Cape Canaveral aus naechster Naehe mitverfolgen zu koennen. Diesmal sah ich die ganze Rakete hoch in den Himmel steigen. Wow.

Langsam schraube ich mich weiter und weiter nach Norden. Suedflorida, Zentralflorida, Nordflorida, Georgia, South Carolina , North Carolina. In Wilmington, North Carolina kam das AUS fuer meinen 2. Hinterreifen. Ich machte 2 Tage Pause in einem Hotel und lies mir Ersatzteile aus Doylestown, Pennsylvania von meinem Sohn zuschicken. Ich benutze Schwalbe Marathon Plus Maentel. Diese Reifen sind einfach erstaunlich. Sie sind aeusserst Stabil und habe im Inneren zwischen Mantel und Schlauch eine Art Wattierung, die verhindert, dass der Nagel, in den du faehrst, den Schlauch nicht punktiert. Und tatsaechlich hatte ich nicht einen einzigen Platten auf der ganzen Tour. Jetzt aber ist das Profil des Hinterreifens total abgefahren und es bilden sich Risse an den Seitenwaenden. Tatsaechlich bin ich sogar einmal in einen langen Stahlnagel gefahren. An dem regelmaessigen klack, klack hoerte ich, dass etwas nicht in Ordnung ist. Der Check ergab, Nagel hatte sich durchs Profil gebohrt, die Spitze schaute an der Seitenwand des Mantels heraus. Mit einer kleinen Zange konnte ich den Nagel entfernen, der Schlauch blieb heil, keinen Platten zu flicken. Glueck gehabt.

Wilmington verliess ich an einem stuermischen Tag. 30 bis 40 Std KM Wind, Rueckwind. Noch nie zuvor hatte ich solche Geschwindigkeiten drauf wie an diesem Tag. Muehelos glitt und segelte ich durch die Landschaft, fast 100 KM in 4 Stunden. Ein Sturmritt, herrlich, so koennte es oefter sein. Aber schon am naechsten Tag musste ich erneut Pause in einem Motel einlegen. Wetterumschwung mit schweren Gewittern. Am naechsten Morgen erfuhr ich aus den Wetterberichten, 7 Tornadoes hatten an diesem Tag Schneissen durch North Carolina gezogen. Ja, Natur und Wetter sind hier in den Staaten viel extremer als in Europa, daher hab ich es mir zur Gewohnheit gemacht, die Wettervorhersagen regelmaessig und gewissenhaft im Auge zu behalten.

 In wenigen Tagen werde ich Richmond, Virginia erreicht haben. Dann kommt noch das Highlight Washington D.C. In ca. 2 Wochen werde ich wieder in Doylestown eintreffen. Dann ist meine Reise auch schon zu Ende. 3 Wochen bleiben mir dann noch, um noch ein bisserl mit Familie und meinem kleinen Enkelsohn, der inzwischen schon laufen gelernt hat, zu verbringen. In der 1. Maiwoche kommt Tochter Steffie zu Besuch, das heisst: Einkaufstour 5th Avenue New York. Am 7. Mai fliegen wir dann gemeinsam nach Deutschland zurueck. Wie schnell doch die Zeit vergeht.

 Grosser Bahnhof in Key West

   

Ja, es war wieder Zeit Abschied zu nehmen. Ist mir nicht leichtgefallen, habe ich doch alle ins Herz geschlossen. Rick und Jeanette, Bob und Mary, Fritz und Marlies, danke dass Ihr mich so herzlich in Eurer Mitte aufgenommen habt.! Die Abschiedsparty war super, werde ich so schnell nicht vergessen! Auf keinen Fall aber die Mrs. Dooley, Mr. Rick Cain!

 Von Fort Myers Beach aus bin ich mit dem Schnellboot in 4 Stunden Fahrt nach Key West geduest. Kruemel musste derweil in der Tasche sitzen. Kaum war ich in Key West von Board gegangen wurde ich schon herzlich von einem jungen Mann begruesst. Er ist der Besitzer des Shipwreckmuseums in der Stadt und selbst begeisterter Radfahrer. Er macht sich fuer die Radlergemeinde in Key West stark und will spaeter mal ein Radreiseunternehmen gruenden. Er wollte so ziemlich alles von mir wissen und machte dann Fotos. Schon am naechsten Tag schickte er mir den Link zu seinem Blog. Na so langsam werde ich beruehmt. Schaut doch mal rein. Er lud mich fuer den naechsten Tag zur Stadtrundfahrt ein, na das lies ich mir natuerlich nicht entgehen. Auch auf den Turm seines Shipwreckmuseums durfte ich steigen um Fotos zu machen, waehrend er unten auf Rad und Kruemel aufpasste. Schaut doch mal hier rein:

http://www.conchrepubliccyclist.com

Auf dem Campground in Key West sprach sich meine Ankunft wie ein Lauffeuer herum. Immer mehr Leute kamen an meinem Zeltplatz vorbeigeschlendert und begannen ein Gespraech. Bei der Abfahrt am naechsten Morgen war meine Stimme rauh vom vielen Erzaehlen. Es ist unglaublich, wie freundlich du hier empfangen wirst. Immer wieder gruessen dich die Leute unterwegs. Ich habe inzwischen schon soviele nette und hilfsbereite Amerikaner kennengelernt und meine 300 Visitenkarten, die ich mit auf die Reise genommen habe sind fast aufgebraucht. Uebrigens kann ich schon auf den ersten Blick die Europaer auf den Campingplaetzen ausmachen. Du erkennst sie an ihrer unfreundlichen, zurueckhaltenden Art. Waehrend fast alle Amerikaner freudlich laecheln, gruessen oder den Kontakt suchen, senkt sich der Blick der Europaer bei der Begegnung und man laeuft grusslos aneinander vorbei. Puh. Gestern hatte ich wieder solche zurueckhaltenden Zeltnachbarn. Als ich sie ansprach erfuhr ich, sie waren Franzosen, die 4 Wochen durch Amerika touren, ohne ein Woertchen Englisch zu sprechen. Ich habe die beiden mit Haenden und Fuessen ein wenig aufgelockert, ein Gespraech war nicht wirklich moeglich. Immerhin wuenschten sie mir beim Abschied : Bon Voyage.

Ein weiteres Radlerpaar traf ich auf dem Campground, Mutter und Tochter. Sie outeten sich als blutige Anfaenger, es ist ihre erste Tour. Sie hingen mir an den Lippen, dankbar fuer jeden Tip den ich ihnen geben konnte. Ja, ich gehoer jetzt langsam zu den Profis.

2 Tage spaeter traf ich die beiden wieder, auf einem anderen Campingplatz. So schoen es hier auf den Keys ist, so ist alles leider auch total ueberteuert. Hotelzimmer sind unbezahlbar, Campingplaetze kosten fuer Zelter so zwischen 70 und 100 Dollar die Nacht. Aber ich bezahle nie den vollen Preis, frage nach allen moeglichen discounts wie AAA oder Senior Citizens discount. So wollte denn die Dame auf dem Sunshine Key Camground 97 Dollar von mir. Kaum hatte ich das Woertchen AAA discount ausgesprochen, purzelten die Preise, am Ende zahlte ich nur 45 Dollar. Immer noch zu teuer, aber immerhin. Noch ein Tip, den ich den beiden Radneulingen mit auf den Weg geben konnte, sie hatten auf dem gleichen Campground den vollen Preis von 97 Dollar gezahlt. Zum Radln sind die Keys ein Traum. 150 Meilen sind es ueber die vielen kleinen Inseln nach Miami. Unzaehlige Bruecken verbinden die Inselkette miteinander. Gestern bin ich ueber die 7 miles bridge gefahren, also ca. 12 KM nur Bruecke und links der Gulf von Mexico, rechts der Atlantic. Tuerkisblaues, glasklares Wasser. Ich hatte mit starken Crosswinden zu kaempfen, bei Windgeschwindigkeiten bis zu 50 Stdkm. Ich musste auf dem schmalen Seitenstreifen auf der Bruecke balancieren. Ueberholte mich ein Laster, hui.... dann wurde ich fuer ein paar Meter von seinem Fahrtwind mitgezogen um im naechsten Moment heftigst gegenlenken zu muessen, damit ich nicht auf die Fahrbahn geriet. So schaukelte ich die 12 Km in Zickzacklinien und war froh, als ich das andere Ufer endlich erreicht hatte. Aber ich muss soviele Bruecken hier ueberwinden, dass ich inzwischen gelernt habe, damit umzugehen.

Die meisten Tankstellen auf dem Weg haben hier Restrooms (Toiletten). Aber manchmal musst du dich doch in die Buesche schlagen. Na, da mussde hier wirklich aufpassen, dass dir nicht ein Krokodil von hinten in den Allerwertesten beisst.

                                            Foto by NASA Space Center

Um 4 Uhr klingelt heute morgen mein Handywecker. Sprung aus dem warmen Federbett. Wenn ich Glueck habe, startet in 20 Minuten das bemannte Space Shuttle Endeavour in Cape Canaveral, etwa 200 KM von hier entfernt. Die einmalige Chance, einen echten Raketenstart mit eigenen Augen mitzuverfolgen.

Viele zu lange dauert es, bis der Computer hochfaehrt und ich den Countdown auf der Nasaseite im Internet sehen kann. Schon gestern war ich so frueh aufgestanden, aber dann wurde der Start wegen schwieriger Wetterbedingungen abgebrochen. Unendlich langsam laed die Seite hoch. hurrah, sie starten tatsaechlich, in 11 Minuten. Telefonisch alarmiere ich wie versprochen die Nachbarschaft. In letzter Minute treffen wir uns alle vor der Haustuere.

 Und dann entdecken wir den grellgelben, leuchtenden Schweif der Rakete ueber den Palmen langsam in den nachtschwarzen Himmel steigen. In einem weiten Bogen steigt sie hoeher und hoeher. Welch ein erhabener Augenblick. Ich Zwergenmaedchen, Stecknadelkopf im unendlichen Universum darf die Wunder und grossen Abenteuer der Menschheit hautnah mit erleben. Mir laeuft eine Gaensehaut ueber den Ruecken. Eigendlich koennte das kleine Leuchtding dort oben auch ein Feuerwerkskoerper sein, viel mehr ist nicht zu erkennen. Doch, jetzt kann ich eindeutig sehen, wie die lodernden Flammen erloeschen und im gleichen Augenblick die Brennstofftanks abgeworfen werden. Jetzt fliegt sie wie ein hell leuchtender Stern dem Outer Space entgegen, verschwindet langsam im Dunkel. Schweigend lassen wir diesen maechtigen Augenblick noch einige Minuten in uns nachklingen, dann wenden wir uns neugierig der Beute in meinem Fotoapparat zu. Lichtstreifen, wie von Autoscheinwerfern gezogen. Naja, mehr hatte ich auch nicht erwarten koennen. Aber die Erinnerung daran wird bleiben. Wir schnattern noch eine Weile auf der naechtlich stillen Strasse, dann verziehen wir uns wieder in die Federn.

http://www.nasa.gov/mission_pages/shuttle/main/index.html

Die 2 Monate Lehigh Acres sind wie im Fluge vergangen. Gerne wuerde ich noch laenger bleiben, koennte mir sogar vorstellen, eines Tages meine Zelte hier fuer immer aufzuschlagen. Einige Freunde werde ich schmerzlich vermissen, wenn ich wieder losziehe, ich werde sie im Herzen mit mir tragen. Auch fuer Kruemel wird der Abschied schwer, hat er doch in Bordercolliedame Lola sein Soulmate gefunden. Fuer eine Weile durften wir uns hier unter das Volk mischen, blending in nennen es die Amerikaner. Viel erlebt habe ich hier, viel gearbeitet und viel Neues kennengelernt, den American Way of Life einen Moment lang mitgelebt. Den Ausweis fuer meine lebenslange Mitgliedschaft im Veterans Recreational Park - einer Freizeitanlage mit Fitness-Studio, das ich waehrend meines Aufenthaltes hier regelmaessig besuche, werde ich als koestliches Souvenier nach Hause mitnehmen.
 Da gibt es so einiges, das ich gerne mit Euch teilen moechte.

 Also aufgepasst, meine Lieben Englischdamen!

 Es gibt hier die Snow Birds - noch nie gehoert? Nun, Suedwest Florida ist ,wie schon erwaehnt, ein Rentnerparadies, viele Amerikaner ziehen nach Eintritt des Rentenalters aus dem Norden Amerikas hierher, wegen dem warmen Wetter im Winter. Von den in. Florida geborenen Einwohnern werden sie daher Snow Birds genannt. Logisch, oder? Dann gibt es die Rednecks - das sind Bauern oder Farmer, die wegen der gebueckten Haltung bei der Feldarbeit am sonnenverbrannten Nacken zu erkennen sind.

Hillbillies sind Leute aus den Bergen (Appalachian Mountains) im Norden, man stellt sie sich wie zahnlose Halbneandertaler mit Keule in der Hand vor. Ueber sie wird in Amerika gerne Witze gerissen, wie bei uns z.B. die Ostfriesen.

 Letzte Woche war Groundhog day, so aehnlich wie bei uns der Siebenschlaefer. Wenn an diesem Tag der Groundhog = das Murmeltier aus seinem Winterschlaf erwacht, aus seiner Hoehle kriecht und seinen eigenen Schatten sieht, dann bleibt der Winter noch weitere 6 Wochen im Land und Groundhog krabbelt wieder zurueck in seinen Bau. Sieht der Kerl seinen Schatten nicht, dann ist es Fruehling. Fuer die Amerikaner ist dieser Tag ein Grund fuer feuchtfroehliche Parties.

 Am naechsten Montag ist hier ein nationaler Feiertag, der Presidents Day, oder Washingtons Birthday, an diesem Tag werden die Kriegsveteranen geehrt - wie auch beim Veterans Day.

 Am Sonntag haben wir Valentinesday, yo ich denke den kennt Ihr alle, oder? Auch dieser Tag wird fuer Parties genutzt.

 Gestern war ich bei meinen Freunden Mary und Bob zur Super Bowl Party eingeladen. Sie machten ein Cook Out = Grill Party im Garten. Bob hatte den Ueberproporz-Gasgrill angeschmissen und ein Riesenladung total leckerer und zarter Sparribs und Haehnchen gegrillt, dazu gabs Salate, gefuellte Eier und Bohnen. 15 Freunde hatten sie geladen. Es wurde gemampft, viel gequatscht und wir wurden wieder mit Gitarrenklaengen und Popsongs aus den 70ern von Fritz und Rick verwoehnt. Ein total lustiger Nachmittag. Am Abend versammelte sich die ganze Partygesellschaft vor dem Fernseher: Super Bowl ist ein Mega-Footballevent. Na, das kennen wir ja auch vom Fussball her.

Inzwischen habe ich mit meinen Freunden noch ein paar tolle Ausfluege erlebt. In den Everglades machten wir eine Airboattour durch die Suempfe und ich bekam so einige Alligatoren und Pelikane vor die Linse.

 In Immokalee waren wir in einem riesigen Spielcasino. Immokalee ist ein Indianerreservat der Seminole Indianer und Steuerparadies (die in Reservaten lebenden Indianer muessen fuer ihre Geschaefte keine Steuern zahlen und somit bekommt man hier Alkohol, Zigaretten oder Spielgewinne steuerfrei) Hier habe ich mich an den einarmigen Banditen versucht.3 Dollar setzte ich ein, 10 Dollar habe ich gewonnen - und dann wieder versprasst.

 Nun werde ich mich hier noch ein paar Tage schoen ausruhen, meine Sachen vorbereiten und packen und dann gehts schon wieder los. Am Sonntag dem 14. Februar trete ich das letzte Stueck meiner Reise an. Ich freue mich schon auf Key West. Kruemelchen muss wiedermal in eine Tasche steigen, mein Fahrrad und Anhaenger werden am Aussendeck des Schnellbootes festgezurrt und dann geht es in 4 Stunden Fahrt von Fort Myers auf dem Golf von Mexico nach Key West. Key West ist der suedlichste Zipfel Nordamerikas mit Karibischem Flair. Trennt am Eingang zur Karibik den Golf von Mexico vom Atlantik. Hemmingway hatte dort lange gelebt, sein Haus wurde zur Touristenattraktion. Auf Sugarloaf Island werde ich die ersten beiden Naechte auf einem Campingplatz verbringen (hier ist jetzt Hochsaison, Hotels sind dort unbezahlbar teuer, selbst das schlichte Fleckchen Rasen auf dem Campground kostet noch 70 Dollar die Nacht). 2 Tage will ich mich in Key West umschauen. Danach geht es ueber die Inselketten weiter nach Key Largo. Auch dort bleibe ich 2 Tage. Na und dann trete ich die Rueckfahrt nach Philadelphia an. Immer Richtung Norden, entlang der Atlantikkueste ueber Miami, Fort Lauderdale, Daytona, Cape Canaveral, St. Augustin etc. Habe mir vorgenommen, jeden einzelnen der restlichen 3000 KM zu geniessen. Unglaublich fuer mich, dass diese Tour schon in wenigen Monaten zuende sein soll. Diese Reise ist einfach zu fantastisch um mir ein Ende vorstellen zu koennen oder zu wollen.

                                                          

Florida Manatees 

Mary und Bob laden mich ein, mit ihnen in den Manatee Park zu fahren. Kruemel lasse ich zuhause, will die Fotosession unbehundet geniessen.
Der Parkplatz ist schon am fruehen Morgen voller Autos, scheint ein beliebter Ausflugsort zu sein.
Am Eingang Infoschilder und eine Souvenierbude. Wir gehen runter zum Fluss- Orange River-, der in den Golf von Mexico muendet. In einer kleinen Bucht liegen Felsbrocken auf dem Flussgrund. Die Felsbrocken bewegen sich traege, es sind die Manatees
klick, klick, die ersten Fotos sind im Kasten, natuerlich habe ich vergessen, den Polfilter mitzunehmen-shoot-.
Ein Zaun trennt die Bucht von den Schaulustigen, ich verwende das Gelaender als Fotostativ.
Ein Besucher gesellt sich zu mir. Ihm ist meine Profikamera aufgefallen und er laesst sich die technischen Funktionen erklaeren, nicht so ganz einfach fuer mich in Englisch. Als Gegenleistung erhalte ich von ihm die technischen Daten der Manatees. Die Florida Manatees leben in den flachen Gewaessern der Golfkueste in Salz oder Suesswasser. Im Moment halten sie sich gerade hier rund um das Kraftwerk auf, die Abwasser sind warm,wir haben im Moment eine aussergewoehnliche Kaelteperiode die selbst das sonst warme Wasser des Golfes von Mexico auf 14 C abgekuehlt hat.
Die Saeugetiere werden um die 500 KG schwer und 3 Meter lang. Sie sind Pflanzenfresser und koennen sich bis zu 3 Minuten unter Wasser aufhalten, bis sie auftauchen und nach Luft schnappen muessen.Sie sind Warmbluetler und die Muetter saeugen ihre Babies an 2 Zitzen unter den Schwimmflossen.
Und jetzt sehe ich auch schon eine Manateemama mit ihrem Kleinen an mir vorbeischwimmen. Andere waelzen sich fotogen im Wasser wie Seehunde. klick klick
Mein Zaungeselle erzaehlt mir,dass ich leider zu spaet hierhergekommen bin. Erst vor einer halben Stunde sind hunderte von Manatees gemeinsam zur Futtersuche den Fluss hinunter geschwommen. Sie halten sich gerne in Herden auf, deswegen werden sie auch Seekuehe oder Seacows genannt.
Lustig sehen sie aus wenn sie an die Wasseroberflaeche kommen, ein oder zwei Blubber, ein paar Lufblasen auf dem Wasser und dann verschwinden sie wieder nach unten. Ihre Schnauzen seltsam klein im Verhaeltnis zum massigen Koerper. Helle Narben auf ihren Ruecken zeugen von Begegnungen mit den Aussenbordmotoren der vielen Boote, die sich auf den Fluessen und Kanaelen tummeln.
Nach ausgiebiger Fototour gehe ich mit Mary und Bob in den Shop am Eingang, Bob moechte einen Souveniermanatee erstehen. Vor dem Laden werde ich von einem jungen Mann angesprochen. Er meint, ich wuerde aussehen wie eine Fotografin mit meinem Profiteil und waere vielleicht an einer Kanutour auf dem Fluss interessiert. Dort koenne man die Manatees in Herden um das Boot schwimmen sehen und gut fotografieren. Na klar bin ich interessiert und Mary und Bob freuen sich, als ich sie zur Bootstour einlade.
9 Touristen und 2 Bootsfuehrer sind auf dem Kanue, eine lustige Truppe die leider zu laut ihre Begeisterung und Fragen vertont. Daher verscheuchen wir wohl viele Tiere, aber einige bekommen wir doch zu sehen. Ausser den Manatees noch fliegende Fische, Waschbaeren am Ufer, Blue Herons, Baldhead Eagles und jedemenge Geier in der Luft.
Ich sitze in der Mitte des Bootes, hinter mir Mary und Bob, vor mir ein aelteres Ehepaar. Vor dem Ehepaar sitzt einer der Bootsfuehrer, uns zugewendet erzaehlt er gerade von den Mangrovensuempfen durch die wir gerade gleiten . Irgendwann sagt der Ehemann zum Bootsfuehrer:' ich habe meine Seekuh ja immer dabei', und deutet auf seine Angetraute. Ich ziehe leise die Luft ein und schuettele den Kopf. Da ruft Bob hinter mir 'Hey Regina, dreh dich mal um , ich mache ein Foto : Mit den Worten: 'Willst du noch ne Seekuh fotografieren' drehe ich mich um und schaue direkt in Marys blitzende Augen. Leise sagt sie mir 'Waer das meiner da vorne , der saesse jetzt schon nicht mehr im Boot'. Lange muss ich Lachen. Ich befinde mich wiedermal als zufriedener Singlestachel mitten im Beziehungsfleische der Vermaehlten.

 

   Lehigh Acres, Suedwest Florida

Happy New Year!

                                

Auf der anderen Strassenseite, unter den ausladenden Aesten einer uralten Eiche ist "Checkpoint Rick". Braungebrannt, Vierbeiner Buster auf dem Schosse, saugt er zufrieden laechelnd und im Takte seines  Schaukelstuhls an brauner Havanna oder am Flaschenhals des Budweiser
- Nachbar Rick, der neu-emanzipierte Mann-.
Was Jahrzehntelang waehrend seiner Ehe nicht erlaubt, geniesst der frischgeschiedene Ex- Lehrer und Rentner nun in vollen Zuegen in seinem Garten in Lehigh Acres.   Informationsquelle, Kontaktboerse, Erfahrungsaustauschzentrale und Anlaufstation fuer Verleihobjekte jeder Art - eine kleine Auswahl seiner Nebenjobs. Das Leben auf der Strasse immer im Blick, kommt keiner an ihm vorbei ohne ein freundliches:"How are you today" und ist er in Laune :"Come over and have a beer". Hat er bereits Nachbarn neben sich sitzen erschallt Stufe 2: "Come over and meet......".

Links neben Rick sind gerade Mary und Bob mit Bordercollie Lola eingezogen. Sie kommen aus Ohio, wo die Wirtschaftskrise Bobs Job gefressen hat. Nun sucht er hier nach neuen Aufgaben. Liebenswerte, nette Menschen und Kruemel hat sich sofort in Lola verliebt. Sie spielen und toben oft in meinem eingezaeunten Garten, den Rest des Tages verbringt Kruemel am Fenster zur Strasse, sehnsuchtsvoller Blick nach draussen                                
 - Warten auf Lola-.

                                                    

Jeden Morgen joggt Nachbar Fritz winkend an meinem Haus vorbei. Er lebt mit seiner Frau links neben mir im schmucken Haus, sie kommen aus Nuernberg und verbringen die Wintermonate hier im deutschen Rentnerparadies. Der Dollar steht guenstig und die Immobilienpreise sind waehrend der Wirtschaftskrise stark eingebrochen. Viele Haeuser sind verlassen , befinden sich in Foreclosure - wurden von den Besitzern, die die Hypothekenraten nicht mehr zahlen konnten an die Banken zurueck gegeben-. So kann man hier schon fuer 50.000 USD ein huebsches Haeuschen mit Pool und grossem Garten erstehen. Ein erschwingliches Plaetzchen zum Leben und die Rente reicht hier doppelt so lange wie in Deutschland.


Lehigh_Acres,_Florida

Lehigh Acres gehoert zum Bezirk Cape Coral - Fort Myers und liegt ca 30 Meilen oestlich von Fort Myers im Inland von Sued-West Florida. Mit ca. 70.000 Einwohnern eine mittelgrosse Stadt, der man die Groesse wegen ihrer Weitlaeufigkeit nicht anmerkt. Huebsche Bungalows mit ueberdachten Pools stehen in grossen Palmengaerten, schnurgerade, wie mit dem Lineal gezogene Strassen. Enten und Kraniche bevoelkern die kleinen Seen und Kanaele, die sich wie Adern durch die grassbewachsenen Siedlungen ziehen. Geier kreisen unter den Wolken oder sitzen in Scharen auf den Aesten der Pinien und Laubbaeume. Ein beschauliches kleines Paradies, das sich aber schon wenige Kilometer weiter westlich nach dem Golf von Mexico zu in heisses Touristenpflaster mit hoher Kriminalitaetsrate verwandelt. Taeglich berichten die lokalen Nachrichten von naechtlichen Schiessereien, Einbruechen, versuchten Kindesentfuehrungen und Autounfaellen wegen Trunkenheit.

Nun, ich fuehle mich hier in meinem gemuetlichen Haus und in netter Nachbarschaft sehr wohl und geborgen. Durch Rick lerne ich immer wieder neue und interessante Leute kennen. Auf der Weihnachtsparty einer Nachbarin war ich eigeladen und Weihnachten durfte ich zusammen mit Rick, seinen Freunden und Nachbarn verbringen. Wir haben gekocht, gut gegessen und uns angeregt unterhalten. Thank you Rick!

Gestern erhielt ich ein ganz besonderes Carepacket aus der Heimat. Tochter schickte selbstgebackene Vanillekipferl, Weihnachtsstollen und andere Leckereien. Auch  fuer Kruemel war etwas dabei = ein rosa Kuschelschwein.


       
           

                                         

November West Florida


Hi Guys Frauchen ist geschafft. 600 KM in 9 Tagen, zu muede zum Schreiben. Gut fuer mich, komm ich endlich auch mal wieder dran. Wie Ihr wisst, sitze ich als Co-Pilot im Fahrradkorb auf dem Gepaecktraeger hinten. Co-Pilot Kruemel. Klingt besser als es sich anfuehlt. Es ist ja nicht so, dass der Korb oben offen waere und ich jederzeit rausspringen koennte wenn wir an Bauernhofkoetern, Imbissbuden oder Joggern vorbeifahren. Nein, da drohnt ein Metallkaefig ueber mir, unueberwindbar. Dieser Kaefig dient gleichzeitig als Halterung fuer den Sonnen- oder Regenschutz. Fuer mich heisst das :Eingeschraenkte Sichtweise. Alles bis auf einen kleinen Spalt vorne wird von dem bloeden Sonnenschutz abgedeckt. . Nun, meine Aussicht durch den kleinen Spalt nach vorne ist weiterhin eingeschraenkt durch ein grosses, rundes, auf dem Fahrradsattel sitzendes ……. Nicht immer angenehm, aber ich verrate hier mal lieber nicht zuviel, in Kruemelland herrscht keine Pressefreiheit. Rechts und Links von Gross und Rund blitzt ein kleiner Spalt Freiheit. Rechts und Links, Rechts und….. Mein Hals tut schon weh vom ewigen hin und her, wenn ich abwechselnd die Strassenseiten nach Verbellobjekten scanne.

   

Im Moment ists langweilig -breite Landstrassen, verstreute Ortschaften und der eine oder andere Hofkoeter. Die sind hier nicht an der Kette aber gut erzogen, sie jagen uns entlang der Grundstuecksgrenze, gehen aber nicht auf die Strasse. Manche doch, gestern haben wir gleich zwei Kumpels am Strassenrand liegen sehen, ueberfahren, tot, toter geht’s nicht. Aber morgen wird’s interessant, da sind wir zu Besuch bei Susan in Tallahassee - sie hat einen Yorkshire Terrier und 3 Katzen.
Vorvorgestern hat mein Frauchen mein Spielzeugball im Motelzimmer liegenlassen. Einfach so. Ich war so sauer, habe ne Runde Depries genommen. Ueberzeugend, offenbar, heute kam sie vom Einkaufen mit einem brandneuen , bunten quietscheball. Na also, geht doch. Wir haben gleich eine Runde gespielt - so gut es ging halt - Menschen sind in ihrer Beweglichkeit sehr eingeschränkt. Gliedmaßen auf Unifunktion eingestellt - Haende greifen, Fuesse laufen und Mau- aehh Mund isst. Hab versucht ihr den Ball in den Mund zu stecken - ein richtiges Hundegeschenk von mir - sie hat ihren Kopf abgewendet , a n g e w i d e r t ! Verstehs nicht.
Kreuzschmerzen hatte sie, die Kleine. Wohl zulange mit ihrem grossen, runden…. Im Autositz gesessen. Naja, waren gut 5000 KM von SFO nach Mobil. Fuer ne Weile sahs fast so aus als wuerde sie nicht mehr hochkommen. Ein paar Tage im Fahrradsattel und alles war wieder gut. Sags ja, hasse Auto fahren.
Golf von Mexico begleitet uns, wir fahren immer links am Rand lang. Einmal hab ich einen weissen, riessigen Sandstrand fuer mich alleine. Bloede Moeven jagen, gibt nix besseres. Das Wasser im
Golf hat Badewannentemperatur und der Sand klebt unter den Zehen.
Einmal
Haben wir unter einer Bruecke auf einem Campingplatz übernachtet. Wie die Penner - die Platzwirtin hatte ein schwarzes Schwein als Haustier und unser Nachbar war zahnlos und lebt in einem Wohnwagen. Der hat Frauchen am Abend lauter Dosenfutter gebracht - Spagetti mit Meatballs, Eierravioli. Leider hat sie abgelehnt, Dosen waeren zu schwer fuer die Fahrradtaschen. - Na ich haette halt nur den Inhalt verdrueckt, die Dosen haetten wir ja dalassen koennen? Am naechsten Tag erzaehlte der Typ, dass er auch mal eine Fahrradtour gemacht hat und hat Frauchen Tipps gegeben, wie man auf Staatskosten uebernachten kann. Einfach zu Polizei gehen und sich als “Homeless people” anmelden, dann kriegt man ein Stueck Papier und kann im Obdachlosenasyl uebernachten. Ne hallo, also bitte, ohne mich. Da ist mir Campground unter Bruecke mit Hausschwein doch lieber! KRASS!!!

Jetzt muss ich diesem frechen Koeter doch ein bisserl das Maul stopfen, der hört ja gar nicht mehr auf zu laestern.



Nord/Zentral/Suedflorida

Den Amerikanischen Familienfeiertag am 26. November verbringen wir auf der Strasse. Viele Laeden und oeffentliche Einrichtungen sind geschlossen. Ueberall rufen dir die Leute “Happy Thanksgiving” zu. Truthahn gibt es an diesem Tag. Als ich am Abend im vorher ausgesuchten Motel ankomme, ist dieses geschlossen, ein Schild haengt an der Tuer : Bin mal eben weg, komme um 21.00 Uhr wieder. Nein, 5 Stunden auf der Strasse hocken bis der Wirt erscheint, dazu hab ich keine Lust, ich fahre weiter.
Bis Talahassee fahren wir Richtung Osten. In Talahassee uebernachten wir bei einer Warmshowers Familie, Susan laedt mich zur selbstgebackenen Pizza ein, Vater und Sohn schmuecken den Weihnachtsbaum, Scooter - der Familienyorkshire spielt mit Kruemel.
Von Talahassee aus geht’s auf dem Saint Marks Trail nach Sueden. Ich habe 90 KM bis zum naechsten Ort zurückzulegen. Eine kerzengerade Landstrasse, rechts und links Palmen und Suempfe - sonst nichts. Unterwegs kommen mir 3 Radler entgegen. Wir halten einen Plausch und sie schenken mir zum Abschied Vitamine - Floridaorangen.
Endlich erhalte ich Nachricht von Rose aus Lehigh Acres in Suedflorida. Sie ist Immobilienmaklerin und Ferienhausverwalterin. Ich kann von ihr ein Ferienhaus mit Kueche und Pool fuer 6 Wochen mieten.
Wow, mal wieder selbst kochen und kein Fast Food und dann noch mit eigenem Pool. Jetzt zieht mich wirklich alles nach Sueden.
Fuer mich ist Florida nichts anderes als eine riesige Sandbank die den Golf von Mexico vom Atlantik trennt. Ich fahre die Golfkueste runter nach Sueden und will den Rueckweg nach Philadelphia dann über Fort Lauderdale an der Atlantikkueste entlang fahren.
In Zentralflorida passiere ich eine kleine Bruecke, schaue nach unten ins brackige Flusswasser und wer schaut zu mir herauf? Richtig : ein echter und mein erster wildlebender Alligator. Gut getarnt liegt er in der braunen Bruehe, ich krieg ihn aber doch ins digitale Archiv.
Ich gehe wiedermal vor einer Tornadowarnung in Deckung. Aber statt des Tornadoes implodiert der Fernseher in meinem Motelzimmer. Rauch steigt auf und ich schnappe mir meine Wertsachen und Kruemel und verlasse schnellstens das Zimmer. 

 Ist es in Zentralflorida noch richtig herbstlich , wird es doch immer waermer jemehr du dich dem Suedteil von Florida näherst.
Am Strassenrand liegt ein toter Braunbär - halb verwest stinkt er fürchterlich und ich fahre schnell weiter. Dachte hier gibt’s nur Schlangen und Alligatoren, aber die Schilder am Strassenrand weisen das Gebiet als “Bear Protektion Area” aus.
Kurz vor Tampa, in Trinity uebernachten wir bei Paula und Ehemann, Rentner die in einer “Gated Adult Golf Community” leben, eine Art eingefriedete Dorfgemeinschaft fuer Rentner , jeder lebt in der eigenen Villa mit gemeinsamen Einrichtungen wie Golfplatz, Tennisplaetzen, Swimmingpool, Gaertnern, etc. eine sehr angenehme Art den Lebensabend unter Gleichgesinnten zu verbringen aber sich Unabhaengigkeit und Intimsphaere zu erhalten.
Noch eine Uebernachtung bei Bronson und Cathy in Ruskin. Sie leben in einem schnuckeligen Haus an einem Kanal der in den Golf von Mexico fuert. Vor der Terrassentuer liegt das Segelboot. Kruemel freundet sich mit Bronson an, endlich ein vernuenftiger Spielkamerad. Am naechsten Morgen begleitet mich Bronson auf seinem Fahrrad in die naechste Stadt, 30 KM nach Bradenton. Dort fruehstuecken wir in einem Diner und verabschieden uns . Bronson ist leidenschaftlicher Motorradfahrer und will mich mit seiner Frau Cathy in Lehigh Acres besuchen. Freu mich schon drauf.
Jetzt gibt es kein Halten mehr fuer mich, ich will so schnell wie möglich nach Lehigh Acres in mein Haus mit Kueche und Pool. 6 Wochen lang leckeres Essen kochen, Ausruhen, schwimmen und ein bisserl an Internet und Buch arbeiten, draußen auf der Terrasse - das nenne ich ueberwintern!
Die 240 KM schaffe ich in 3 Tagen trotz Hitze und starkem Gegenwind.

Jetzt sitze ich auf meiner Terrasse, über mir huschen Eidechsen übers Moskitonetz und Kruemel liegt faul im Schatten. Hat schon einen Kumpel gefunden - Basti des Nachbars Pudel.
Das Haus liegt in einer ruhigen Wohngegend, viele Deutsche hier die in ihrem Ferienhaus gerade ueberwintern.
3 Schlafzimmer, 2 Baeder, Wohnzimmer, Kueche, Garage, ueberdachte Terrasse mit Pool und einen 2000 qm grossen, eingezaeunten Garten in dem Kruemel nach Lust und Laune toben kann. Uns geht’s so richtig gut.
Lust auf einen Besuch? Na dann kommt mal geflogen, bin noch bis zum 23. Januar hier




                                  

       Von San Francisco nach Mobile / Alabama  Oktober - November



Am 23. Oktober starteten wir von San Francisco in ein neues Abenteuer, diesmal per Dodge Minivan, bei Avis gemietet.

Yosemite National Park war unser 1. Ziel. Auf dem ca. 3000 Meter hohen Tioga Pass lag schon etwas Schnee, Kruemel und ich genossen die Fahrt durch diese herrliche Berglandschaft. Wir uebernachteten auf einem Campingplatz direkt am Park und trafen dort auf ein deutsch/oesterreichisches Paar. Sehr nett, luden mich die beiden doch zu einem Glaserl Californiawein ein.
Lange musste wir am naechsten Tag fahren und zum Death Vallery National Park zu kommen. Berg- und trockene Wuestenlandschaft, auch hier uebernachteten wir mitten im Death Valley auf dem Furnace Greece Campground, um uns am naechsten Tag noch einen Salzsee, ca 80 Meter unter dem Meeresspiegel gelegen, anzuschauen.

In fuer mich rasanter Reihenfolge (bin nun an die Langsamkeit des Fahrrads gewoehnt ) klapperten wir weitere Sehenswuerdigkeiten ab. Den maechtigsten und groessten Staudamm Nordamerikas, den Hoover Dam, Las Vegas, Grand Canyon, Lake Powell und den Antelope Canyon, der in einem Navajo Indianerreservat liegt. Jay, ein Navajo, fuehrte uns durch den Canyon und hatte seinen Spass mit Kruemel. Schwarze Raben - lt. Jay die “Navajo Air Force“, beobachteten unsere Tour, selbst im Inneren des Canyons.

In Page am Lake Powell mieteten wir uns in ein kleines Motel ein um von dort aus die Umgebung zu erkunden. Der Minivan stand direkt vor meinem Motelzimmer in einem dunklen Hinterhof. Ich hatte ein ungutes Gefuehl und holte daher das Fahrrad ins Motelzimmer. Es war Halloweennacht , einige Betrunkene machten draussen Krach und Kruemel bellte mehrfach in der Nacht, wollte mich warnen, jemand ist draußen am Auto - ich blieb im Zimmer, erschien mir sicherer. Am naechsten Tag entdeckte ich eine Delle an der Beifahrertuer = jemand hatte mit dem Fuss dagegen getreten, der Fussabdruck war klar zu erkennen.
Fuer die Versichung lies ich den Schaden von der Polizei aufnehmen. Der Motelwirt rief 911 und kurze Zeit spaeter stand ein echter Sheriff vor meiner Tuer. Schadensaufnahme war schnell erledigt und er konnte wieder wichtigeren Faellen nachgehen - er hatte in der Zwischenzeit einen Anruf erhalten - ein Ladendieb war im Safeway Supermarkt gegenueber meines Motels unterwegs.

Den Lake Powell verlassend ging es durch die Bergwelt der Rocky Mountains weiter in Richtung Suedwesten. 2 lange Tage fuhren wir durch endlose Steppe in New Mexico und Baumwollfelder bis zum Horizont in Texas, bis wir San Antonio erreichten. Dort schauten wir uns einen Tag lang um. Ich liess das Auto auf einem Parkplatz und nahm Kruemel mit in die Alamo, eine alte und geschichtstraechtige Mission. In der Alamo aber wurde ich sofort von einem Ranger zurückgepfiffen : Dogs Not allowed. Der Ranger erkannte an meinem Akzent dass ich aus Deutschland kam. Da er selbst 2 Jahre Militaerdienst in Berlin abgeleistet hatte, erlaubte er mir ausnahmsweise, Kruemelchen mit durch den Park der Alamo zu nehmen. Danach beschlossen wir unseren Besuch in San Antonio mit einem langen Spaziergang am Riverwalk entlang des San Antonio Rivers.

Weiter ging es nach Louisiana - New Orleans, wo uns Hurrikane Ida erwartete. Ein Hurrikane der Kategorie 2 bedrohte die Kueste des Golf von Mexico. Durch die lange Sitzerei im Auto hatte ich mir massive Rueckenschmerzen eingefangen und so beschloss ich, kurz vor New Orleans in einem kleinen Motel unterzutauchen bis Sturm und Rueckenschmerzen wieder abgeklungen waren.
Waehrend die Wettermeldungen starken Wind vorhersagten war es ein paar Kilometer weiter westlich des Hurrikanezentrums total windstill. Ich beschloss, nach Mobile/Alabama weiterzufahren und liess wegen der Rueckenschmerzen einen Stadtrundgang durch New Orleans ausfallen. In Mobile endlich spuerte man den Sturm, in der Lobby des Motels in Mobile traf ich auf 2 Radfahrer, die gerade den ganzen Tag gegen den Sturm angekämpft hatten und doch nur 11 Meilen zurückgelegt hatten.
Am naechsten Tag gab ich das Auto am Flughafen ab. Von hier ab nun geht es endlich per Radl weiter bis ich naechstes Jahr im April wieder in Doylestown/Pennsylvania eintreffen. Ueberwintern aber werde ich jetzt erstmal im warmen Florida. Jetzt geht’s erstmal an der Kueste des Golf von Mexico weiter nach Florida, dann den Panhandle runter nach Key West und an der Atlantikkueste entlang dann endgültig wieder in Richtung Norden. 




  

 Lincoln City - San Fransisco


Wolkenlos blauer Himmel, der maechtige Ozean glitzert in der Sonne, Wellenberge schlagen krachend gegen Kliffs und Felsen und zerbersten zu unzaehligen, glitzernden Wassertropfen. In der Luft kreisen schreiende Moewen und Baldhead Eagles auf der Suche nach Beute. Unten am Strand waelzen sich heulende Seehunde in der Sonne. Kruemel waere so gern ein Seehund, hört er sie heulen, zittert sein kleiner Koerper vor Aufregung. Ein Aroma von Seetang und Salz bereichert die Luft, sanfter Seewind streicht dir übers Haar.

Auf breitem Strassenband geht es auf dem Highway 101 immer an der Kueste entlang. Breite Randstreifen, Rueckenwind und Radfahrerfreundliche oeffentliche Einrichtungen auf dem Oregon Coast Bike Trail erleichtern Fahrt und Navigation. An den vielen Tunnels die ich passiere, sind Warnanlagen installiert - der Radler drueckt einen Knopf und Warnlichter weisen auf Radler im Tunnel hin, Autofahrer duerfen nur noch 30 mph (miles per hour) fahren. An vielen Bruecken gibt es Kontaktschwellen - der Radler faehrt über die Schwelle und die Blinkanlage warnt Autofahrer vor Fahrraedern auf der Bruecke. Tolle Sache.

Es geht durch kleine Badeorte entlang der Kueste durch Oregon bis Crescent City, die Staatengrenze zu Californien. Auch in Californien setzen wir unsere Fahrt auf dem Highway 101 fort, der Tacho weist immer in Richtung Sueden. Der herannahende Herbst ist hier schon fuehlbar. Das Laub der Baeume steht in leuchtenden Farben und das Meeresklima schafft einen Ausgleichen zwischen kalten Naechten auf einem der Hiker/Biker Campgrounds in den National Parks und den schweisstreibenden Berg und Talfahrten in der prallen Sonne.

In Legged verlassen wir den Highway 101 und fahren über eine ca 400 Meter hohe Bergpass zurück ans Meer . Von hier geht es weiter auf dem Highway 1 auf abenteuerlichen Strassen ohne Randstreifen, ueber in vielen Serpentinen ansteigende Kaps und Kliffs. Ich balanciere am Rande steiler Kuesten und schwindelerregenden Abgruenden ohne den Schutz von Leitblanken dafür mit vor Aufregung schweissnassen Haenden. Nur wenige Autos auf der Strasse, Gottseidank, halte ich doch jedes Mal wenn ich von einem Auto überholt werde die Luft an, ein kleiner Fahrfehler, die Konsequenz waere ein Absturz in die Tiefe.
Anstrengend die dauernden Anstiege, aber oben auf dem Kap angekommen kommt die Belohnung: Atemberaubende, ja berauschende Aussichten auf den Pazifik, die Kueste und das maritime Leben an den Straenden und in der Luft. Am Himmel kreisende Adler bei der Suche nach Beute sieht man hier aus ganz anderer Perspektive -von oben.

Kurz vor San Francisco verlasse ich den Highway 1 und fahre durch ein flaches Tal und Weinanbaugebiet zurück zum 101. Hier erreiche ich bald eines meiner Highlights der Reise : Die Golden Gate Bridge in San Francisco. Gegen Abend komme auf die Bruecke. Obwohl es hier einen geschützten Radweg gibt, verschlagen mir Groesse und Hoehe der Bruecke doch den Atem und ich bin froh als ich wieder festen Boden auf der anderen Seite erreiche. Aber hier erwischt mich der Kulturschock eiskalt. War ich wochenlang durch einsame, laendliche Gebiete gefahren bin ich den Verkehr einer so grossen Stadt nun nicht mehr gewohnt.

Erlebnisse unterwegs:


Verfolgungsjagd im tiefen Wald

Ich fuhr durch den Redwood National Forest - ca. 40 KM durch tiefen Wald mit roten , gigantischen Nadelbaeumen. Einsame Strecke, Regentag und kaum Autofahrer unterwegs. Triefendnass fuhr ich durch den Wald, als mich ein Motorradfahrer ueberholte. Zunächst war nichts ungewöhnlich, doch dann kam der Motorradfahrer zurück, fuhr an mir vorbei. Als er dann wieder ganz langsam von hinten herankam, wurde es mir unheimlich. Es schien mir, als haette er kontrolliert, ob ich tatsächlich ganz alleine durch den Wald fahre. Als er auf gleicher Hoehe mit mir war, passte er seine Geschwindigkeit an und wollte eine Unterhaltung beginnen. Ich bekam Angst, mir wurde bewusst wie ungeschuetzt ich war. Ich fuhr stur weiter und ging auf keinerlei Gespraech ein. Als wir kurze Zeit spaeter an einem Parkplatz vorbeikamen, auf dem sich gerade Leute aufhielten, stoppte ich mein Radl und war bereit, jemanden dort um Hilfe zu bitten. Daraufhin fuhr der Motorradfahrer weiter. An diesem Tag gewann ich mein gewohntes Sicherheitsgefuehl nicht wieder, fuehlte mich verfolgt. Nach weiteren 40 Minuten klatschnasser Fahrt reichte es mir, als ich an einem Motel vorbeikam, wollte ich mir fuer diese Nacht ein Zimmer mieten. Aber das Motel erlaubte keine Hunde. Die Motelbesitzerin schaute mich mitleidig an. Ich triefte vom Regen und fror. Sie ueberlegte kurz und bot mir ihr Ferienhaus zum halben Preis an. Wohnzimmer, 3 Schlafzimmer, 2 Baeder, Garage fuer mein Fahrrad mit Waschmaschine und Trockner und eine volleingerichtete Kueche mit allen noetigen Lebensmitteln fuer ein herrliches Dinner. Eine heisse Dusche, meine nassen Klamotten landeten in der Waschmaschine, ein gutes Essen ließen diesen Tag doch noch richtig gut ausklingen.


Leute unterwegs:

Auf dem Oregon und dann California Pacific Coast Bike Trail traf ich viele Radler. Die meisten kamen aus Canada die in Richtung Argentinien unterwegs waren. Ein Deutsches Ehepaar traf ich auf einem Hiker/Biker Campground die du in vielen National Parks findest. Dies sind Zeltplaetze die wegen des guenstigen Uebernachtungspreises von Wanderern und Radlern frequentiert werden. Die Deutschen waren aus Stuttgart und hatten ihre Tour in Alaska begonnen, wollen weiter nach Mexico und Argentinien.
Einmal hatte ich eine Art De Ja Vue / ich traf Hanna, eine schwedische Journalistin auf der Strecke. Wir unterhielten uns kurz und beschlossen, auf dem gleichen Campground zu uebernachten, so hatten wir Zeit uns in Ruhe zu unterhalten. Wir verbrachten einen angeregten Abend und verabschiedeten uns am naechsten Morgen. Immer wieder stelle ich unterwegs fest, dass Langstreckenradler sehr starke Individualisten sind / jeder hat seine eigenen Vorstellungen, Geschwindigkeiten und Distanzen.


In San Francisco habe ich mir, wie geplant, einen Dodge Minivan gemietet. Der Wagen ist gross genug um mein Fahrrad stehend hinten auf der Ladeflaeche zu verstauen, so kann ich zur Not sogar auf Campingplaetzen auf meiner Isomatte im Auto schlafen und muss das Zelt nicht aufbauen. Nette Abwechslung.
Inzwischen haben wir schon einige Sehenswuerdigkeiten mit dem Auto abgefahren - Yosemite National Park / Death Valley / Las Vegas / Hoover Dam / Grand Canyon / Lake Powell / Antelope Canyon. Viel haben wir schon erlebt auf dieser Fahrt - und einmal musste ich sogar per Handy 911 den Polizeinotruf waehlen. Aber davon erzähle ich Euch das naechste Mal, wenn ich in New Orleans angekommen bin.
Jetzt muessen wir erstmal ca. 3000 KM zuruecklegen um wieder in waermere Gefilde zu kommen (im Yosemite Natl. Park liegt schon Schnee und hier ist es in der Nacht schon sehr kalt -12 C ). Keine Zeit zum schreiben. Schaut halt in 2 Wochen mal wieder rein, dann berichte ich weiter und ich verspreche Euch, es wird spannend!


Von Seattle/Washington nach Lincoln City/Oregon

In Seattle brachte uns die Autofähre über den Puged Sound nach Bremerton und von hier aus entlang des Hood Canals zum Columbia River. Einige Tagesfahrten über Berg und Tal. Bei Longview erreichten wir den Columbia River – von hier aus richteten wir uns entlang des großen Flußes nach Westen und auf den Pazific zu. Bei Cathlamet überquerten wir den River – über ein Brücke auf die Insel im Fluß, ein kurzes Stück über die Insel und auf der anderen Seite per Fähre nach Westport in Oregon – der Columbia River bildet die Staatengrenze zwischen Washington und Oregon. Eine Alternative wäre die Flußüberquerung auf der Astoriabrücke weiter westlich in Astoria gewesen, doch bei unserer Ankunft in Astoria war ich froh, nicht über die fast 7 KM lange, sehr hohe Brücke fahren zu müssen.

 Astoria ist eine wuselige Stadt, beherrscht von Fischfang und Tourismus, schnell wenden wir den Lenker weiter Richtung Westen, ich kann es nicht mehr erwarten, endlich am Pazifik zu stehen. Um Astoria Richtung Westen verlassen zu können, müssen wir doch über eine Brücke, die die Flußmündung des Columbia Rivers in den Pazific überspannt. Nicht ganz so gewaltig wie die Astoriabrücke jagt mir diese Brücke doch Respekt ein. Zunächst auf einem Radweg muss ich am Zugbrückenteil die enge Fahrbahn benutzen, Nervenkitzel auf stark befahrener Straße. Jenseits der Brücke konnte ich aufatmen und mich gemütlich meinem Pazifikziel nähern.

 Der erste Blick war überwältigend: Tiefblau glitzerte der Riesenozean im strahlenden Sonnenlicht. Bei einer kleinen Rast am weitläufigen Sandstrand beschliesse ich, hier vor Anker zu gehen. Wir mieteten uns in ein Hotel direkt am Strand ein und wenig später nahm Krümel sein erstes Bad im Pazifik. Schon der nächste Tag gab mir einen kleinen Vorgeschmack auf die topografischen Realitäten ,die mich auf den nächsten 1600 KM entlang der Pazifikküste bis San Francisco erwarten würden: Bergauf und bergab, kurvige, steile Steigungen wechseln sich ab mit rasanten Abfahrten und überwältigenden Ausblicken auf den Pazifik, Buchten,Kaps und maritimer Natur.

Eine große Erleichterung ergibt sich für unsere Übernachtungen hier an der Küste – unzählige Campgrounds und Nationalpark machen die Planung leicht – einfach soweit fahren wie ich Lust habe und dann auf den nächsten Campground. Die Nationalparks sind auf die vielen Langstreckenradler aus aller Welt eingestellt – sie bieten Hiker/Biker Plätze für 4 Dollar die Nacht an. Hier triffst du dann am Abend oft die gleichen Radlkollegen und so gibt es bei Ankunft auf dem Platz manchmal ein großes Hallo. Auf einem dieser Hiker/Bikerplätze fragten mich meine Zeltnachbarn – ein Bikerpärchen aus Kanada- ob ich denn schon mit den Deutschen von nebenan gesprochen hätte. Ja, hatte ich, kurz, aber wir hatten nicht realisiert, dass wir die gleiche Nationalität hatten. Das holte ich wenig später nach. Das Paar kam aus Stuttgart und war, wie ich, für 1 Jahr unterwegs. Die beiden kamen gerade aus Alaska und Kanada und wollen weiter nach Mexico radeln.

 Auf dieser Strecke plane ich jetzt nicht mehr meine Fahrten nach den Übernachtungsmöglichkeiten sondern nach den Berganstiegen. Manchmal geht es bis auf 3oo oder 400 Meter hoch und ich sehe zu, dass ich diese Anstiege am frühen Morgen machen kann, wenn ich noch frisch und ausgeruht bin. Die Fahrt über ein hohes (ca. 350 Meter) Kap nach Lincoln City plante ich besonders umsichtig, war doch auf dieser Strecke wenige Tage zuvor eine kanadische Radlerin tödlich verunglückt. Den News zufolge war sie vom Rad gefallen und dann von einem Auto überrollt worden. Mit diesem Wissen fuhr ich dort sehr sehr vorsichtig und obwohl ich die Kanadierin nicht gekannt habe, musste ich an sie denken. Wie schlimm auf einer solchen Traumtour zu verunglücken und nicht mehr nach Hause zurück zu kehren. Aber genau dass ist das Risiko, das jeder Radler auf sich nehmen muss.

Inzwischen haben Krümel und ich uns hier in Lincoln City im Motel ein wenig ausgeruht und ein Tiefdruckgebiet mit schwerem Regen und hartem Südwind ausgesessen. Morgen wird das Wetter wieder besser, der Wind dreht wieder nach Norden, beste Voraussetzungen für uns, die Fahrt nach San Francisco fortzusetzen. Ich freue mich schon sehr auf diese Stadt, aber es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich sie erreiche.

Gruseltag– September 13



Nein, es war nicht Freitag der 13, es war Sonntag. Der Einkauf am morgen vor Abfahrt kostete mich 911 – 9 Dollar 11 cent. Komische Summe, der Verkäufer runzelte die Stirn als er sich den Preis nennen hört und meinte: Einer jener seltsamen Zufälle! Für mich ein etwas seltsamer Tagesanfang. Für jene von Euch denen 911 kein Begriff ist: 911 ist die Notrufnummer hier in den Staaten um Polizei oder Feuerwehr zu rufen. Darüber hinaus erinnert diese Zahl an den 11. September – der Tag der Terroranschläge auf die Twintowers in New York.
Nur wenige Minuten später, ich fuhr auf einer verkehrsreichen Strasse und war gerade an einem kleinen Restaurant vorbeigefahren, da krachte es hinter mir. Ich hielt an und drehte mich um – hinter mir stand ein Auto in der Fensterscheibe des Restaurants. Der Fahrer hatte die Bremse mit dem Gaspedal verwechselt als er vor dem Restaurant parken wollte.

                                             


Gleicher Tag, einige Stunden später – das Blau des Himmels hat sich in ein giftiges Gelb verwandelt, die Wolken sind milchig-grau – die gesamte Atmosphäre ist spannungsgeladen und unheimlich. Als auch noch das grün der Verkehrsampel grell-blau leuchtet nehme ich meine Sonnenbrille ab und sofort ist der Himmel wieder blau, die Wolken weiß und die Ampel grün. Ich muss wohl erst noch an die gelben Gläser meiner neuen Sonnenbrille gewöhnen – hatte sie mir heute an einer Tankstelle gekauft nachdem ich meine alte, teure, optische Sonnenbrille auf dem Campingplatz verloren und später und in tausend Teilen wiedergefunden hatte.

Dieser Tag endete so unheimlich wie er begonnen hatte. Krümel und ich lagen im Zelt als draußen im dunklen Wald neben dem Campground die Coyoten ein lautes Geheul anstimmten. Na gottseidank sind solche Tage und Nächte eher selten auf unserer Tour.

20.August bis 7. September                       St. Paul/Minnesota - Seattle/Washington

                             



               Krümel und ich haben die Westküste erreicht und atmen jetzt frische Pazifikluft.

In St. Paul/Minnesota mietete ich einen SUV für die Weiterfahrt an die Westküste. Es war bereits zu spät in der Saison, um die ganze Strecke bis Seattle mit dem Fahrrad zu bewältigen, bis ich die Rocky Mountains erreicht hätte, läge dort wahrscheinlich schon Schnee. Ausserdem wollte ich mir unbedingt den Badlands National Park, Mount Rushmore und den Yellowstone National Park ansehen, aber diese Sehenswürdigkeiten liegen zu weit südlich meiner Radstrecke, zusätzlich mind. 1000 KM die ich hätte zurücklegen müssen.

Weisser Dodge standard SUV mit Platz genug für Fahrrad, Trailer und Packtaschen, und Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, Satelitenradio und Panic Button. Automatikschaltung war nur am Anfang spannend, war das 1. Mal für mich, wurde aber schon bald langweilig – ist wie Autoscooter fahren – gasgeben und bremsen, thats it. Nur mit dem Panic Button hatte ich so meine Probleme: Elektronischer Autoschlüssel mit den bekannten Funktionen wie „Türen auf“ und „Türen zu“ dazu ein weiterer, roter Knopf = der Panik Button. Zu nah am “Tür zu Knopf“. Kommst du aus Versehen auf den Panikbutton passiert folgendes: Alle Türen verschliessen sich automatisch und die Alarmanlage schrillt – unaufhörlich – bis du .. ja, das ist die Frage, bis du was machst, welchen Knopf drückst?

Mir passierte das vor einer Tankstelle, wollte mir was zu trinken kaufen und das Auto abschliessen und kam, ja genau, auf den Panicbutton. Die Autotüren schlossen sich sofort und die Alarmanlage brüllte los- und hörte nicht mehr auf. Egal auf welchen Knopf ich auch drückte – der Alarm hörte nicht mehr auf. Ich fragte den Tankwart ob er wüsste wie man das verdammte Ding wieder abstellen kann – er versuchte zu helfen, drückte auf alle Knöpfe – ohne Erfolg. Ein alter Mann, auf der Bank vor der Tankstelle riet mir – die Instruction zu lesen – ja, beim nächsten Mal. Nach langen Minuten im Höllenlärm stieg ein Mann aus seinem Pickup, nahm mir den Schlüssel aus der Hand und steckte ihn in das Schloss auf der Fahrerseite – der Alarm hörte auf und die Türen öffneten sich wieder. Gewusst wie!!!! Sehr sorgsam benutzte ich fortan die Knöpfe am elektronischen Schlüssel.

Unsere 1. Station auf unserem Weg in den wilden Westen war St. Peter – wir tauchten regelrecht in einem kleinen Motel unter – es regnete in Strömen. Dort lernte ich Valerie kennen, die Managerin des kleinen Motels. Wir unterhielten uns lange – sie war schon einmal in Deutschland und will mich besuchen, wenn ich wieder zurück bin.

Das breite Asphaltband des Interstate 90 führte uns durch rollende Agrarlandschaften, über Hügel und hohe Bergpässe gen Westküste. Auf dem Weg – die Badlands – eine bizarre Bergkette in der Hochebene von South Dakota.

Badlands National Park

2 Tage erforschte ich diese faszinierende , schroffe Bergwelt. Warnschilder vor Klapperschlangen , in der Hitze klimmernde Sandsteingebirge, hunderte von Fotomotiven – im Abendlicht – bei Sonnenaufgang. Die aussergewöhnliche Landschaft bezauberte alle Sinne und ich konnte mich nur schwer von ihr trennen. Aber es wartete schon der nächste Höhepunkt auf mich – nur eine halbe Tagesreise entfernt:

                                           

                                                                              Mount Rushmore

Ein halbes Leben schon hatte sie mich begleitet , auf dem Cover der LP „Deep Purple in Rock“ standen sie einst in meinem Musikregal– die 4 Präsidenten in Stein – nun konnte ich sie endlich mit eigenen Augen sehen. Freundin Ann hatte mir die Musikfile : Smoke on the water – von Deep Purple in Rock per email geschickt und so fuhr ich mit den Ohrstöpseln meines MP3Players im Ohr, inspiriert von den rockingen Klängen in die Black Hills zu meinen Präsidenten. Krümel musste ich im Auto lassen - no dogs allowed at the monument– sicher und kühl wartete er im Schatten in der Tiefgarage während ich in einem Strom von Touristen zu dem Monument geschwemmt wurde. Da waren sie, zum Greifen nah – 2 Frauen boten mir an, mich mit „those guys in the background“ zu fotografieren –die beiden waren lustig und wir hatten unseren Spaß. Auf dem Rückweg zu Krümel in der Tiefgarage hörte ich schon von Weitem lautes Bellen. Krümel war nicht allein, in jedem 2. Auto saß ein Hund und die Kerls unterhielten sich lebhaft.

                                                                     Life sucks

                                       

                                                         Krümel im Yellowstone National Park



Hi guys again

 Well, hab beinah mein deutsch verlerrrnt – wirrrrd Zeit dass ich es wiederrr auffrrrische. Alle meine buddies and pals (Kumpels) hier sprechen englisch – man/dog passt sich an. Absolut keine deutschen dogs around here. So bin ich wohl der 1 Hund, der im Dodge SUV durch den Yellowstone National Park kutschiert wurde.

PKK = Pionier Krümel Krinke.

Heiß wars im Park, nicht nur von der Sonne. Stellt Euch vor Ihr steht mitten in einem riesigen Vulkankrater. Heiße Quellen überall, alles stinkt nach Schwefel.

Da war die Klimaanlage im Dodge schon recht angenehm. Obwohl, die wilden Tierchen wie Rattlesnakes, Bisons und Moose (Klapperschlangen, Bisons und Elche) hätteich schon gerne aus der Nähe gesehen – aber gerade deshalb waren Hunde im Park mal wieder verboten. Hatte sowieso keine Lust meine Pfoten in Schwefelquellen anzuqualmen. Während mein Weibi alle paar Minuten vor Entzückung seufzend mit der Kamera aus dem Auto stürmte hielt ich Schönheitsschlaf vor der Dodge-AC (ja, Mann, wird Zeit dass Ihr Englisch lernt – AC = Air Condition , schlagt das mal im Wörterbuch nach).

Old Faithful , ein speiender Gysier dauerte länger, der spuckt alle 30 bis 40 Minuten heißes Wasser in die Höhe. Dort in der Nähe war auch der Parkplatz wo Frauchen einen Rucksack auf einer Picknickbank fand. Schlüssel und Kreditkarten waren in dem Rucksack und mein Frauchen war sicher, dass der Besitzer wahrscheinlich von einem Grizzlybären verschleppt und verspeist wurde und seinen Rucksack dabei hier verloren hatte. Deshalb fuhren wir zur nächsten Parkranger Station wo der Besitzer ausfindig gemacht werden konnte- ein noch recht lebendiger Parkangestellter, der seinen Rucksack dort einfach nur vergessen hatte – Spielverderber!

            

Über den Snoqualmiepass nach Seattle

Der Interstate 90 führte uns über Spokane und den Snoqualmiepass direkt nach Seattle. Bezaubernd der Weg durch die Bergwelt der Rocky Mountains, über den Pass mit spektakulären Blick auf den Columbia River. Seattle ist die verkehrs- und staureichste Stadt in den USA und so näherten wir uns dem kleinen Motel direkt am Flughafen Seattle Tacoma Intl. nur langsam. Schon am nächsten Tag gab ich den SUV am Flughafen zurück und es ging weiter per Fahrrad – mit der Fähre über den Pudget Sound nach Bremerton wo wir uns jetzt ein bisserl ausruhen und uns auf die Fahrt entlang der Pacifikküste nach San Francisco vorbereiten.

25. Juli bis 20 August Clare/Michigan – St. Paul/Minnesota



Quer durch Michigan ging unsere Fahrt auf Radwegen (ehemaligen Eisenbahnstrecken) oder Landstrassen durch „rolling countryside“. Farmen und Felder säumten unseren Weg. Unsere Stationen: Clare – Ludingten , die kleine Hafenstadt, von dort aus ging es mit der Fähre SS Badger (SS= Steamship) über den Lake Michigan (4 Stunden Fahrtzeit) nach Manitowoc/Wisconsin. Von Manitowoc über Two Rivers nach Green Bay- von hier aus ging es auf dem „Mountain Bay Rail Trail“ weiter – Shawano – Wausau – Abbotsford – Cadott –Menomonie – Woodsville – Hudson – St. Paul/Minnesota. Mit der Seeüberquerung – Lake Michigan hatten wir gleichzeitig eine Zeitzone überschritten – Es gibt in Nordamerika 4 Zeitzonen - Eastern/Central/Mountain/Pacific Time Zones. Wir befinden uns jetzt also jetzt in der Central Time Zone. In St. Paul haben Krümel und ich mit Freundin Oki einen Spaziergang am Mississippi gemacht – der Fluss durchquert das ganze Land bis er bei New Orleans in den Golf von Mexico mündet. Von St. Paul aus geht es weiter in westlicher Richtung – nach Seattle – vorher aber wollen wir uns einige Nationalparks anschauen = Badlands Natl. Park – Yellowstone Natl. Park – Mount Rushmore Monument (die 4 Presidenten in Stein – Ihr erinnert Euch ? Deep Purple in Rock – smoke on the water aus den 70gern?) und den Glacier Natl. Park. Auch ein Besuch in Vancouver Canada steht auf dem Programm. Übergebe an Krümel, der will unbedingt seinen Senf loswerden:

                                                        
      
Hi Guys



Natürlich habt Ihr Euch gewundert warum ich solange nichts von mir hören lasse. Aber Ihr kennt ja die Weiber. Immer im Vordergrund, Mittelpunkt und wenn die erst mal anfangen zu erzählen, keine Chance zu Wort zu kommen. Nachdem der Protest meiner Fans aber immer lauter wurde musste sie mich endlich ans Mikrophon lassen.

So, hier bin ich. Krümel in den USA.

Wenn meine Süße unterwegs von Leuten gefragt wird :“ Where are you from?“ dann gibt sie eine zweigeteilte Antwort „ We are from Germany, but we started our biketour in Philadelphia“. Oh man, Weiber sind kompliziert. Hätten ja schlecht mit dem Fahrrad über den Atlantik fahren können, oder? Nein, es war wiedermal der große weiße Vogel, der uns ins gelobte Land trug und ich musste wieder 8 Stunden in der Tasche aushalten. War diesmal aber ok, bin es ja inzwischen gewöhnt. Das einzig Aussergewöhnliche war eigendlich nur, dass mein Frauchen wie eine betrunkene aus dem Flieger getorkelt war – sie nannte das Vertigo!! Keine Ahnung waaas die getrunken hatte, jedenfalls dauerte der Kater 3 Wochen bis sie wieder gerade stehen konnte und ich hatte schon die schlimmsten Befürchtungen wir würden im Zickzack durch die Lande radeln.

Inzwischen haben wir schon gut 2500 KM zurückgelegt (hier nennt man das Miles, während es in Kanada wieder KM heißt, fragt mich jetzt bloss nicht wieviel KM 1 Mile ist und warum!).

Anmerkung der Redaktion: 1 Meile sind 1,7 KM

Meine persönliche Reiseroutine sieht wie folgt aus: bin Langschläfer, lasse sie erstmal ihren Kaffee geniessen bevor ich mich langsam aus dem Schlafsack schäle. Gassi gehen und auf Kommando Kacka (so nennt sie das, für mich ist das Sch….. ja, schon gut) und dann Frühstück während sie das Zelt einpack. Frühstück enttäuscht mich ein bisserl- im Land des Fastfood gibt es hier an jeder Ecke eine Hamburgerbude – aber nein, Madame nimmt Riesenumwege in Kauf um mir mein gewohntes Canine Royal zu besorgen (labbriges Trockenzeug, sie nennt es gesund!).

 Nachdem sie alles eingepackt hat mache ich noch einen Rundgang – kontrolliere ob sie nicht meine Ausrüstung vergessen hat: 10meterleine, 1 Gummiball grün aus Thailand, der seine Quietsche inzwischen verloren hat, internationaler Gummiball gelb mit intakter Quietsche in USA gekauft (aber made in China) und meine geliebte, graue Ratti von IKEA. Ja gut, Outdoortrinkflasche und Futter vergisst sie eh nicht.

Dann heißt es für mich :Wache schieben im Fahrradkorb. Während Frauchen in die Pedale tritt, pass ich auf, dass sie in die richtige Richtung fährt (Weiber und Orientierung!). Fahren wir auf Landstrassen an Bauernhöfen vorbei dann halte ich Ausschau nach den blöden Hofhunden. Die Langweiler sind froh für jede Abwechslung. Ein kurzer Beller von mir reicht und schon kommen sie angerannt – rennen bellend hinter dem Fahrrad her. Frauchen flötet denen was auf ihrer Trillerpfeife und zückt zur Sicherheit ihr Pfefferspray. Ein herrliches Schauspiel – kann gar nicht verstehen warum sie dann jedesmal sauer wird, mich anschreit ich soll endlich die Schnauze halten. Pausenstops sind recht angenehm. Strauch bewässern, an Outdoortrinkflasche Blase auffüllen und dann heia auf Frauchens Schoß dazu werden kleine Snacks gereicht, neige lasziv meinen Kopf zur Seite und lass den Happen in den Rachen fallen – verdaut wird später.

Manchmal müssen wir unterwegs Vorräte auffüllen. Frauchen lehnt mich inkl. Fahrrad an die Hauswand und verschwindet im Laden während ich die Gegend nach potentiellen Trespassern (ungebetene Gäste) scanne. Kommt einer auf 10 Meter an meinen Korb heran, dann gibt’s - Hölle – zeige denen Zahnhälse hoch bis zum Zahnfleisch – Knurren kommt tief aus dem Unterbauch. Es ist einfach herrlich, wie die immer zusammen zucken oder vor Schreck erbleichen. Herangetraut hat sich bisher noch keiner. Kaum sind wir am Abend angekommen wird Hundefutter (labber Canine,,,) gereicht, Zelt aufgestellt, Isomatte ausgerollt und Schlafsack ausgepackt – dann kommt für mich die schönste Zeit – die Daunenschlafsackpennzeit- Schönheitsschlaf für mindestens 1 Stunde. Dann wird grüner Ball, gelber Ball, Ratti und 10meterleine eingesetzt.



Krümel in Knast

Ich wusste, da war was im Busch. Frauchen lies mich allein im Motel und fuhr Schiffstickets kaufen. Oh, nein, nicht wieder auf so einen schwankenden Pott mit nur Wasser um uns herum. Am nächsten Tag mussten wir schon ganz früh aus den Federn, fuhren zum Hafen und ja, aufs Schiff. Riesenteil mit noch riesigerem , russgeschwärzten Schornstein. An Board des Dampfschiffes musste ich in den Knast. Ja, richtig gehört. Dogs are not allowed on Board. 3 Kubikmeter Eisenverschlag mit Schmusedecke und Saufnapf. Kam mir vor wie ein Pitbull. Neben mir noch 2 weitere Sträflinge. Golden Retriever – schwerer Junge heulte aber die ganze Zeit nach seinen Leuten und ein kleiner Shitzu dem es ob der miesen Behandlung die Sprache verschlagen hatte, am rattern seiner Gitterstäbe an meinen Käfig merkte ich – der zittert. Krümel-cool ist das ja schon gewohnt- wenn der Kahn nur nicht so geschaukelt hätte! Während Madame gemütlich frühstückte und dann eine Runde Bingo spielte war mir kotzübel. Das verzeih ich ihr diesmal nicht!

                

jetzt reichts Krümel, ich bin wieder an der Reihe:                         

Reifenwechsel in Manitowoc


Gut, dass ich es rechtzeitig bemerkte. Das Profil meines Hinterreifens war einseitig stark abgefahren. Gut 2000 KM machten sich bemerkbar. Ich würde die nächste 500 KM durch ländliche Gebiete fahren und wahrscheinlich keine Gelegenheit haben, ein Radgeschäft aufzusuchen. Also lies ich den Reifen im Bikeshop in Manitowoc wechseln. Sie hatten tatsächlich die Schwalbe Marathon Mäntel auf Lager – leider aber geringfügig schmaler als meine. Da auf dem Hinterreifen die grösste Belastung ist, kam der noch fast neue und breite Vorderreifen nach Hinten und der neue schmalere Mantel wurde auf den Vorderreifen gezogen. Davon abgesehen läuft mein Radl optimal, keine Pannen oder Probleme bisher – knock on wood!

   Hotel-Ducks in Green Bay?


In Green Bay stieg ich wegen des extrem schlechten Wetters in einem Hotel ab. Diese Gelegenheit nutze ich immer, um ungestört und ohne Krümel Einkäufe zu erledigen. Ich lasse ihn dann im Hotelzimmer, da ich Krümel ja nicht mit in den Supermarkt nehmen kann. Vorher aber wird das Zimmermädchen informiert – bitte kein housekeeping- there is a dog in the room.

 Kurz bevor ich das Zimmer verlassen und zum Einkaufen gehen wollte klingelte das Telefon. Der Hotelmanager wollte mich wg. Des Hundes sprechen. An der Rezeption teilt man mir mit : Dogs are not allowed in the room“. Bei Ankunft hatte ich Krümel aber angemeldet und sogar eine Extrareinigungsgebühr bezahlen müssen. Nach einigem hin und her klärte sich der Irrtum auf. Das Zimmermädchen hatte Duck verstanden und der Manager glaubte nun, ich hätte zusätzlich zu meinem Hund auch noch eine Ente auf dem Zimmer. Ich musste herzhaft lachen – es ist schon verrückt genug mit einem Hund auf dem Fahrrad zu reisen – aber eine Ente?

 
Warmshowers – oder Bett und Bike?


Frühmorgens in Capac an einer Tankstelle kommt Lorrie auf mich zu. Sympathie auf den ersten Blick. Wir quatschen eine Zeitlang, dann erzählt sie mir von den Warmshowers, eine Organisation wie Bett und Bike in Deutschland – Privatleute gewähren Radlern für eine Nacht Unterkunft auf Wohnzimmercouch, Gästezimmer oder im Garten im Zelt. Sofort bedauerte ich, nicht bei Lorrie üb ernachten zu können, wir hätten uns viel zu erzählen gehabt.

 Ich versprach ihr aber, mich bei www.warmshowers.org umzusehen oder mich dort anzumelden. Ist bestimmt eine gute Idee, diese kostenlose Möglichkeit in Anspruch zu nehmen, vor allem lernt man so gleichgesinnte Menschen kennen und erlebt den „American way of life“ an der Basis.

 Schon in Shawano, bei Jim Schmidt habe ich die erste Gelegenheit, das auszuprobieren. Allerdings nicht ganz ohne Abenteuer. Jim Schmidt ist Single und bietet mir sein Gästezimmer mit Kingsize Bett und eigenem Bad an. Zur Sicherheit hab ich die Tür abgeschlossen, war aber nicht nötig. Jim war sehr nett und wir hatten noch ein gemütliches Frühstück bei Kaffee und Eggmuffins am nächsten Morgen auf seiner Terrasse. Schaut doch mal in die homepage von den warmshowers, da können sich auch Deutsche eintragen, es gibt einige Amerikaner, die nach Deutschland auf Radtour gehen. So könntet Ihr vielleicht Euer Englisch ein bisserl aufbürsten und Kontakte knüpfen?


Tornadoalarm in St. Paul


Inzwischen war ich bei Oki in St. Paul/Minnesota angekommen. Während Oki fleissig im Büro arbeitete, saß ich über meiner Homepage an Okis Esstisch. Bleischwere, graue Regenwolken verdunkelten draussen den Tag. Plötzlich schrillen in der ganzen Stadt die Sirenen. Unheimlich, die Stille, die plötzlich über der Stadt liegt, keine Autos auf den Straßen, keine Menschen. Ich öffne die Wetterseiten im Internet – das Bild baut sich nur langsam auf. Rote Quadrate liegen auf dem Radarbild über dem Gebiet von St. Paul, Tornadowarnun. Bin noch unschlüssig ob ich mit Krümel aus dem 3. Stock in den Keller rennen soll, da schrillen wieder die Sirenen und in den Strassen erwacht wieder Leben, der Spuk ist vorüber. Am Abend erzählt mir Oki, dass sie mit ihren Kollegen im Büro Schutzräume aufsuchen mussten. 

16. bis 24. Juli Wallaceburg /Ontario – Clare/Michigan



Im Schneidersitz auf dem Kingsize-Bett, Hund auf Schoß und Laptop auf Hund. TV sendet Dr. House auf dem Nachttisch stehen Kaffee und Kuchen bereit. Draußen ziehen schwarze, wasserschwangere Gewitterwolken im Tiefflug über die Dächer. Es donnert und blitzt – heute kann uns das nicht beunruhigen. Sicher und gemütlich genießen wir den Komfort der Zivilisation. Das sah vor ein paar Tagen anders aus, als uns die Feuerwehr vor einem Unwetter retten musste.

Aber erstmal die Fakten, Ca. 350 KM haben wir in dieser Woche zurückgelegt. Von Wallaceburg ging es über den St, Claire River wieder zurück in die Vereinigten Staaten. Per Fähre über den Fluss, die amerikanischen Grenzer winkten uns durch, verbrachten wir die erste Nacht unserer Rückkehr in Marine City. Kompass Nord/Westausrichtung setzten wir unsere Fahrt zum Lake Michigan fort.

                               

Auf einem Campingplatz in Capac warnte mich ein Zeltnachbar vor Racoons (Waschbären) die nachts den Campground nach Essbarem absuchen und plündern. Kein Kofferraum vorhanden, in den ich meinen Foodbag (Luft- und Wasserdichter Sack) hätte unter bringen können, musste ich eine alte Survivaltechnik anwenden – ein langes Seil über einen hohen Ast geworfen, kam unser Proviant auf den oder besser an den Baum. Das lange ultraleichte Seil und 10 Mc Donaldgutscheine für kostenloses wireless Internet obendrein, schenkte mir ein weiterer Zeltnachbar. Unser Vorrat blieb in dieser Nacht unberührt, die Waschbären trauten sich noch nicht mal in die Nähe unseres Zeltes, hatten wohl Respekt vor Krümel.

Immer wieder hatte ich auf der Strecke mit starkem Westwind zu kämpfen. Umso mehr freute ich mich, als sich der Wind drehte – endlich sollte er von Osten kommen und mir den Rücken stärken – aber die Änderung der Windrichtung zog eine komplette Wetteränderung mit drohenden Gewittern nach sich. Eine gesperrte Brücke schickte mich auf eine 15 KM lange Umleitung an diesem Tag. Trotz Rückenwind machte ich so nur wenig Fortschritt. Trotzdem genoss ich die Fahrt über große Weiten, offene Felder und ruhige Countryroads.

Langsam färbte sich der Himmel am Horizont schwarz – ich sah Blitze zucken. Ich fuhr auf offener Landstraße, kein Baum, kein Strauch – rechts und links von mir nur Weizenfelder. Glücklicherweise zog das Unwetter vorbei, ich verlangsamte meine Fahrt, um nicht doch noch hinein zu geraten. Trocken erreichten Krümel und ich Fairgrove, ein kleines Straßendorf. Im dortigen Krämerladen versorgte ich mich mit Proviant, der auf der Bank vor dem Laden auch gleich wieder vernichtet wurde. Während des Vespers beobachte ich Kunden, die den Laden betreten und mit gefüllten Taschen wieder verlassen.

Ich bereite mich auf die letzten 30 KM an diesem Tag vor als ein Mann aus dem Laden trat und auf mich zukam. Er hatte die Wettervorhersage im Radio gehört und wollte mich warnen: „Da kommt gerade ein schweres Unwetter direkt auf uns zu, sie können jetzt auf keinen Fall losfahren“. Also wieder warten. Langsam ziehen blau-schwarze Wolken über die Dächer, der Himmel verdunkelt sich, von Ferne hört man Donnergrollen. Ich gehe zurück in den Laden, frage den Besitzer, ob es irgendwo im Dorf eine Unterstellmöglichkeit gibt. Er verneint, aber ich könnte zur Not in seinen Laden kommen, wenn es anfängt zu regnen. Erst die Umleitung, dann das 1. Gewitter hatte mich Zeit gekostet. Es war schon 5 Uhr und die nächste Stadt noch 30 KM entfernt.

 Das Gewitter zog nur langsam heran. Das konnte Stunden dauern, bis das Unwetter weitergezogen sein würde. Ich war noch unschlüssig, ob ich nicht doch weiter fahren sollte, da mir jetzt langsam die Zeit davon lief, da fuhr ein junger Mann im Pickup vor. Er stieg aus und traf vor der Ladentür auf seine Freundin. Die beiden unterhielten sich und ich bekam mit, dass er einen Job suchte, weil er Geld verdienen musste. Da kam mir eine Idee und wenig später waren Fahrrad, Trailer und Packtasche hinten auf der Ladefläche des Pickup verstaut, Krümel und ich nahmen vorne neben dem Fahrer platz. Auf dem Weg nach Bay City fuhren wir mitten durch das Unwetter. Nun war ich froh, dass ich nicht losgefahren war. Blitze schlugen auf der Straße vor uns in den Asphalt, Wolkenbrüche stellten die Scheibenwischer auf eine harte Probe. Plötzlich hielt der junge Fahrer an und legte den Rückwärtsgang ein. Er erzählte mir, er sei Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in seinem Dorf und möchte hauptberuflicher Firefighter werden. Am Straßenrand hatte er ein schwelendes Feuer entdeckt, dass auch durch den starken Regen nicht gelöscht wurde. Er rief per Handy die Feuerwehrkollegen. Wir warteten am Straßenrand bis der Feuerwehrwagen eintraf und die Firefighters den Schwelbrand löschten. Wenig später setzten wir unsere Fahrt fort.

                                 

Am Ende war der Tag doch sehr ergiebig – der junge Mann hatte sich ein Taschengeld verdient und durch sein verantwortungsvolles Verhalten vielleicht einen Grossbrand verhindert – während Krümel und ich unbeschadet und trockenen Fußes unser Motel in Bay City erreichten. Am Abend sah ich in den TV-News dass 5 Leute an diesem Tag und in dieser Gegend vom Blitz getroffen waren – 1 Mann starb, 4 wurden schwer verletzt.

3. Juli bis 15. Juli  Niagara Falls - Wallaceburg

Oak Inn Motel Wallaceburg Mein Zimmer liegt zum Garten, Blick auf den Indoor Pool.Auf meiner Terrasse tummeln sich Tausende von Fishflies, auf dem Boden, an den Wänden, wie Blüten hängen sie an den Koniferen. Von schwarzen Krähen werden sie am nächsten Morgen geerntet.

Es ist gut, für ein paar Tage aus Sonne und Wind herauszukommen. Windburn – hohe UV-Strahlung, kühler Nordwind. Meine Haut fühlt sich an wie Sandpapier, statt braun sind meine Arme und Beine weiß von den abgestorbenen Hautschuppen. Mit Feuchtigkeitscreme morgens, mittags und abends versuche ich zu reparieren. Die Strecke Niagara Falls – Wallaceburg / Ontario war wunderschön aber auch sehr anstrengend. Westwind – Gegenwind auf 400 KM, manchmal so stark, dass ich kaum vorankam, 11 kmh oder weniger waren vergleichbar mit Bergfahrten – wenig KM Distanz überwunden aber abgestrampelt und müde.

 Der Weg von Fort Erie – canadische Seite der Niagarafälle bis Wallaceburg führte auf Radwegen oder auf der ruhigen Lakeshoreroad entlang des Lake Erie Ufers . Obstplantagen, Kornfelder, Farmen und Kühe säumten den Weg. Die Country Roads sind kerzengerade, das graue Band reicht bis zum Horizont. Die Hitze lässt graue Pfützen auf dem Asphalt kiimmern, erreichst du sie verschwinden sie fatamorganengleich. Ich kam hierher um Unterschiede und Gegensätze zu Europa kennen zu lernen, was ich fand waren Gemeinsamkeiten. Ortsnamen wie New Glasgow, London, Windsor, Kent, Chatham oder River Thames liessen mich eher vermuten, dass ich mich nach England verirrt hatte. Die Landschaft selbst war so europäisch, dass ich mir immer wieder selbst bewusst machen musste: Reginchen, dies ist Canada, du fährst hier nicht durch Europa.

Dieser Eindruck ändert sich schnell wenn ich auf Menschen treffe. Englisch ist kein Problem für mich, aber mein Akzent verrät mich schnell und Fragen kommen auf: where are you from . Ich treffe auf viele absolut nette und hilfsbereite Menschen. So zum Beispiel auf dem Haldiman Conservation Campground. Parkranger wollte keine Campgebühr von mir – geht aufs Haus. Kaum mein Zelt aufgeschlagen sprechen mich Maryanne und Bruce an, sie sind fasziniert von Krümel. Ich werde zu einem leckeren, eiskalten Bier eingeladen. Bruce erzählt mir von Alfred, einem Deutschen der vor 30 Jahren eingewandert war und jetzt mit seiner canadischen Frau Helen in der Nähe lebt. Der Abend vergeht in angenehmer Unterhaltung mit beiden Ehepaaren von dem Krümel am meisten profitiert – er liebt die Fleisch mit Soße Zuwendungen . Am nächsten Morgen bin ich bei Alfred und Helen zum Frühstück eingeladen. Spiegelei, German Rye Bread and Liverwurst – hm. Bruce und Maryanne verwöhnen in der Zwischenzeit Krümel – gefüttert, Gassi geführt, gekämmt und gewaschen nehme ich ihn nach dem Frühstück wieder in Empfang. Bruce und Maryanne sind so verliebt in den kleinen Herzensbrecher, dass sie ihn am liebsten bei sich behalten würden – no way! Winkend verabschieden sie uns – aber in seinem Korb sitzend kennt Krümel keinen Spaß mehr – Leckerlies hin oder her – Job ist Job – lässt er nur noch mich ans Fahrrad – Bruce und Maryanne werden verbellt. Er nimmt seine Aufgabe als Wachhund ernst.

                

Maryanne und Bruce                                                                 Helen und Fred

Am nächsten Tag mache ich Rast in einer Resting Area entlang des Radweges. Ein kleines Wohnmobil hält auf dem Parkplatz, eine Frau in meinem Alter steigt aus, mit 2 Hunden und ihrer 10jährigen Nichte. Sie kommen zu mir rüber- Krümel hat 2 Spielgefährten. Die Frau ist begeistert, dass ich alleine als Frau unterwegs bin. Ist das nicht gefährlich? Ja, es ist gefährlich, etwa so gefährlich wie Autofahren, Flugzeugfliegen, über die Strasse gehen! Ich versuche, soviele Gefahren wie möglich mit Vernunft und Verstand auszuschließen – den Rest muss ich dem Schicksal überlassen. Nun, dieser Frau scheine ich in den wenigen Minuten etwas mit auf den Weg gegeben zu haben. Hocherhobenen Hauptes zog sie davon, zum Abschied rief sie mir zu: „We women are very powerful – women power- hebt lachend ihre Faust und verschwindet im Auto.

 In Port Stanley erreiche ich am Abend einen seltsamen, runtergekommenen Zeltplatz. Nur wenige Trailer befinden sich auf dem Platz, keine Zelte. Seltsame, langhaarige Typen , keine Frauen, sitzen vor ihren Wohnwagen. Ich denke, wau, könnte heute Nacht unangenehm werden, wenn die anfangen zu trinken. Aber ich habe keine Wahl, einziger Campground weit und breit. Der langhaarige Typ kommt auf mich zu, ein Gespräch entwickelt sich, nach wenigen Minuten schon stellt sich ein Gefühl der Seelenverwandtschaft ein. Keine unangenehme sondern ruhige und sichere Nacht. Winken zum Abschied am nächsten Morgen.

Nicht alle Nächte auf Campgrounds verlaufen so angenehm. Auf dem Hickory Grove Campground schlage ich mein Zelt mitten auf einer riesen Wiesen auf. Hauptsächlich ein Trailerpark auf dem die selben Leuten jedes Jahr um dieselbe Zeit ihren Urlaub verbringen. Ältere, sehr viele davon stark übergewichtige Leute, fahren Tag und Nacht mit ihren Golfwagen zu den Toiletten. Kreuz und quer über meine Wiese. Ich mache kein Auge zu in dieser Nacht, habe Angst ich werde von den Kreuzfahrern überrollt.

Schon in der nächsten Nacht schlafe ich kostenlos auf einem Privatgrundstück neben dem Trailer des Trailerparkwächter Ehepaars. Jean und ihr Mann sind supernett. Jean war mit ihren Eltern im Alter von 10 Jahren aus England nach Canada gekommen und geblieben. Das Ehepaar bemuttert mich nach allen Regeln der Kunst, sie springen sobald sie sehen, dass ich etwas brauche. An diesem Abend bekomme ich Kaffee, kalte Getränke,Kekse, einen Campingstuhl, ja sogar meine Wäsche wird gewaschen. Soviel Fürsorge wurde mir fast zuviel, ein bisserl fühlte ich mich schon beobachtet und wollte eigendlich nur entspannen und ausruhen. Daher schlug ich das Angebot, noch einen Tag länger zu verweilen, aus. Wollte diesen netten Leuten nicht zur Last fallen oder ihre Gastfreundschaft ausnutzen,

                                    

                                                 Jean und Ehemann

 Inzwischen haben Krümel und ich uns hier im Oaks Inn Motel in Wallaceburg richtig schön ausgeruht und erholt. Wäsche ist gewaschen, Krümel gebadet und Energiereserven (essen, essen, essen) sind wieder aufgefüllt. In der Zwischenzeit immer wieder mal in den TV geschaut. Auch hier hören übrigens die Gemeinsamkeiten nicht auf: CSI, DR. House, Canada’s next top model, the homemakers Deal or no Deal oder Babyalarm ,sind nur einige Beispiele , einziger Unterschied: in englischer Sprache und andere Moderatoren.

Wallaceburg liegt am St. Claire River, der die Grenze zur USA bildet. Morgen also geht es wieder zurück in die Staaten, per Fähre über den Fluss.

Viele liebe Grüsse

Und herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag liebe Renate!

Danke Helen und Albert für das leckere Frühstück!

                                                                          Abschied von Charles und Sohn im Falls Motel

                                                                              www.fallsmotel.com

                                                            

26. Juni bis 3. Juli Rochester – Niagara Falls

In Rochester treffe ich auf den Northern Tier Bike Trail, hier geht es entlang des Erie Canals bis Niagara Falls, einer Grenzstadt direkt an den berühmten Wasserfällen. Hier lasse ich auch endlich endlich die Berg- und Talfahrten hinter mir. Ich fahre so gern am Wasser entlang, hier gibt es viel zu sehen, Boote, kleine Yachthäfen, Spaziergänger mit Hunden oder Radfahrer. Der Fernradweg bietet alles für den Komfort der Radler= Rastplätze, Regenunterstände, Inns und B&Bs, Biergärten und sogar Besucherzentren mit Duschen, Aufenthaltsräumen, DVD-Player und Wifi. 2 herrliche Tage fahre ich am Kanal entlang, komme mit Leuten ins Gespräch, wie zum Beispiel mit dem Tower-Officer.

 An einem Rastplatz in der Nähe einer Zugbrücke kommt er auf mich zu und fragt, ob ich Fragen hätte, etwas brauche etc. Dann erzählt er mir, dass er 5 Zugbrücken Flußaufwärts betreut. Immer wenn ein Boot die Brücken passieren will klettert er auf seinen Turm und zieht die Brücke (elektronisch) hoch und das Boot kann durchfahren. Danach wird die Brücke wieder herunter gefahren und er setzt sich in sein Auto um zur nächsten Brücke zu fahren um auch dort das Boot passieren zu lassen. Gut für ihn, soviele Boote fahren dort nicht.

Wir übernachten auf einem Campingplatz und schlagen das Zelt direkt am Angelteich auf. Mein Zeltnachbar rät mir, Krümel nicht im Teich baden zu lassen, dort lebe ein großer Snapper, eine Wasserschildkröte die gerne Enten frisst und auch vor kleinen Hunden nicht halt macht. Die Gesänge von Riesenlibellen (Dragonflies), Fröschen und feiernden Zeltnachbarn wiegt uns an diesem Abend in den Schlaf.

 Krümel verschafft sich beim Frühstück eine Extraportion. Ich verstecke seine Tabletten im Wurstbrot. Er nimmt den Happen zunächst ins Maul, lässt ihn wieder rausfallen, pickt Wurst und Brot auf und lässt die Tablette liegen. Nach dem 3. oder 4. Versuch erst schluckt er die Tablette runter. Jetzt arbeite ich die Tabletten in den Frischkäse ein, keine Chance mehr, sie dort rauszupicken.

In Spencerport am Kanal flüchten wir am nächsten Tag in eine Schutzhütte und warten das heraufziehende Gewitter ab. Wolkenbrüche stürzen auf uns herab, Krümel und ich bleiben trocken.

                                                         

 In Niagara Falls (naiägra falls ausgesprochen liebe Renate!) angekommen, mieten wir uns für 4 Nächte in ein kleines Motel ein. Vater und Sohn bewirtschaften das Motel, vor 1 Jahr aus Australien eingewanderte Engländer. Außergewöhnlich preiswert und wir haben ein Minihäuschen mit eigenem Garten. Wir fühlen uns auf Anhieb sehr wohl hier. So kann ich den ruhebedürftigen Krümel im Häuschen lassen und mir in Ruhe die Wasserfälle anschauen.

Berauschend, gigantisch, überwältigend. Die Stromschnellen im Fluß tragen gewaltige Wassermassen auf den Abgrund zu. Goat Island teilt den Fluß, ein Arm wälzt das Wasser über die American Falls, jenseits der Insel rauschen Stromschnellen auf die Horseshoe Falls auf kanadischer Seite zu. Ein Parkranger erzählt mir, dass die Brücke, die Goat Island mit dem amerikanischen Festland verbindet, gleichzeitig der „Point of no return „ ist, fällt man hier in den Fluß, dann gibt es keine Rettung mehr, von hier aus geht alles über den riesigen Abgrund. Niagara Falls National Park ist der älteste Nationalpark in Amerika. 1860 gegründet zieht er Besucher aus aller Welt an und ist zugleich ein beliebtes Ziel für heiratswillige und Honeymoonler. Der Park verfügt über mehrere Attraktionen. 3 davon habe ich mir ausgesucht.

 Mit der „Maid of the Mist“ einem Ausflugsboot fahre ich direkt in die Horseshoe Fälle . Das Boot navigiert knapp vor einer etwa 100 Meter hohen Wasserwand. Der „Mist“ (Wasserspray) hüllt dich ein, alles ist nass (der Mist ist übrigens noch aus 10 KM Entfernung zu erkennen). Die Naturgewalten stürzen in die Tiefe, lassen das kleine Boot in Wasserstrudeln schaukeln und wirbeln die Luft zu Sturmstärke auf. Hier unten ist alles surreal und ich bin erleichtert, als das Boot endlich wieder abdreht. Bis zu den Knien bin ich völlig durchnässt, der Rest war durch die blauen Regenumhänge, die vorher ausgeteilt wurden, gut geschützt.

Ich fahre mit dem Trolley (einem Ausflugsbus) nach Goat Island. Von dort aus kann man die Horseshoe Fälle von oben bewundern und gleichzeitig wartet dort die nächste Attraktion auf mich : The Cave of the Winds. Diesmal gibt es gelbe Regenumhänge und blau-grüne Badelatschen, die man anschliessend als Souvenier mit nach Hause nehmen darf. Die Straßenschuhe werden in Plastiktüten versiegelt, dann geht es in einem Aufzug, der in den Fels gebaut wurde nach unten, unter die American Falls. Vor hier aus führen Holzstege und Treppen direkt an die Wasserfälle – wer will kann jetzt auf dem Hurricane Deck eine Dusche nehmen – Härtegrad 10 –

Nach 8 Stunden Entdeckungstour und hunderten von Fotos bin ich müde und leiste mir ein Fish-und Chips- Dinner auf der Hochterrasse eines Restaurants. Mit dem berauschenden Ausblick auf die Niagara Falls verspeise ich mein Mahl und lasse den spannenden Tag ausklingen.

Weiterführende Infos über die Niagarafälle findet Ihr hier:

 http://www.niagarafallsstatepark.com/default.aspx

Horseshoe = Hufeisen (diekanadischen Wasserfälle haben die Form eines Hufeisens)

 Ps. Ich bin der Adventure cycling association – dem amerikanischen Pendant des ADFC beigetrete . Von dort habe ich richtig gute Fahrradkarten für meine Tour erhalten und habe im dortigen Forum eine Diskussion über Radfahren und Campen in Bear Country losgetreten. Wenn Ihr Interesse habt schaut doch mal hier rein:

 http://www.adventurecycling.org/forums/index.php?topic=5947.0



21. Juni bis 26. Juni       Hancock – Rochester

2 Regentage (es schüttete wie aus Eimern) rasteten wir im Colonial Motal in Hancock und fanden neue Freunde.Über Deposit, Windsor, Binghamton ging es nach Ithaca. Berge und schnelle Abfahrten begleiteten uns auf allen Wegen. Eine große Schleife mussten wir drehen, da wir nicht auf dem Highway radeln durften.

                                   

In der Universitätsstadt Ithaca besuchten wir die Buttermilk Falls. Kaum hatten wir Ithaca verlassen, bei unserer ersten Rast, sprang Wildfang Krümel aus seinem Körbchen. Konnte es nicht abwarten bis ich ihn herunterhebe. Wohl mit dem falschen Fuß aufkommen, stolperte er. Sein anschliessendes Hinken machte mich nervös. Ich untersuchte ihn, konnte aber nichts feststellen. Nachdem er auch nach 3 Stunden noch nicht sein linkes Hinterbein benutzen konnte kehrte ich um. In Ithaca fand ich eine Tierklinik die auch Sonntags geöffnet hatte. Untersuchung ergab: Krümelchen hatte sich einen Bänderriss zugezogen. Die Tierärztin schlug mir eine Operation vor , Kosten etwa 2600 Euro.

Ich war erstmalgeschockt und mietete mich in einem Motel in Ithaca ein. Mit einer Email an meine Tierärztin in Deutschland : Ines Ott wollte ich mir weitere Informationen verschaffen.Nach einem weiteren Gespräch mit einer Chirurgin entschied ich mich, abzuwarten. Entzündungshemmer und Schmerzmittel sollen die Verletzung abheilen, danach wird man sehen, in wieweit Krümelchen sein Bein wieder benutzen kann.Die nächsten 4-6 Wochen ist jetzt Korbruhe angesagt, kein Toben oder Springen . Das wird ihm ganz sicher nicht leicht fallen.

Nachdem ich mir Vorräte an Medikamenten für Krümel eingepackt hatte ging es weiter Richtung Nordwesten. Wir kamen jetzt in die Fingerlake Region von New York State. Wir fuhren entlang des Cayuga Lakes, einer renommierten Weinanbaugegend. Es war herrlich, Wetter warm und sonnig, entlang des Seeufers entlang zu fahren.

                                       

Inzwischen sind wir in Rochester, am Lake Ontario angekommen, noch 2 Tage, dann werden wir die Niagarafälle erreicht haben.

                                                           

13.6. bis 20.6. Branchville –Binghamton

                                     

Durch das kleine Städtchen Milford führte mich der Weg zum Kittatinny Campground. Dort wurde Krümelchen von Dackel Gus begrüßt und während ich das Zelt aufbaute, vergnügte sich Krümel mit neuem Kumpel. Ich kam mit Frauchen und Herrchen von Gus ins Gespräch und so verging der Abend in angeregtem Austausch.

14.6. Über Nacht hatte der Himmel seine Schleusen geöffnet und mein Zelt war pitschenass. Zurück über Milford sollte es jetzt so richtig in die Berge gehen. Vorher war Stärkung in einer Bäckerei angesagt. Riesenkaffee, leckerer Bagel mit Cream cheese und frischem Lachs. Noch nicht richtig in den Bagel gebissen war ich schon im Gespräch mit meinen Tischnachbarinnen. Die Damen, in meinem Alter wollten per Auto nach Quebeck - Canada reisen. Ihre Männer hatten sie zuhause gelassen – sie haben ein GPS- das in der Wegführung und Handhabung wesentlich einfacher und erfreulicher als ihre Ehemänner sei. Am Abend erreichten wir Greeley, hoch in den Bergen, wo ich im Historic Greeley Inn übernachten wollte. Das Haus wird von Teodora und Adrian bewirtschaftet, einem rumänischen Ehepaar, vor 20 Jahren aus Rumänien geflüchtet. 100 Jahre alt ist das Historic Greely Inn und bietet für die energiegeladenen Besitzer jede Menge Entfaltungsmöglichkeiten. 14 Zimmer, 1 Restaurant, 1 Bar und ein großer, alter Tanzsaal mit Theaterbühne. Adrian renoviert das Haus alleine, immer wenn er wiedermal Geld in der Kasse hat. Teodora kochte mir ein Patros mit Pasta, Adrian leistete mir beim Essen Gesellschaft und erzählte ein bisserl aus seinem Leben. Mariana, die Freundin von Teodora war gerade aus Rumänien zu Besuch. Sie lud mich ein, wenn ich je mal nach Rumänien kommen sollte…..

15. Juni Alle 3 winkten sie mir zum Abschied hinterher.. An diesem Tag waren schwere Gewitter und Regengüsse vorhergesagt. Nun, Gewitter in den Bergen sind mir nicht so recht geheuer und so wollte ich fahren soweit ich komme. Gegen Nachmittag bauten sich dann dunkle schwarze Wolken am Horizont auf und gerade noch rechtzeitig lag da die 10 Miles Riverlodge am Wegesrand. Ich war durch einsame Wälder gefahren, kein Supermarkt weit und breit und meine Essensvorräte waren erschöpft. In der Riverlodge konnte ich nichts zu essen kaufen, Versuche, in der Pizzeria 10 KM weiter etwas zu bestellen und liefern zu lassen schlugen fehl. Ich hatte mich schon auf hungern und dursten eingestellt aber dann kam Eugene, der Lodgebesitzer, er fuhr mich mit seinem Pickup zum nächsten Supermarkt, er brauchte sowieso „ butter and „chchchoney“. Eugene war vor 10 Jahren aus Russland zugewandert und spielt nach eigener Aussage jetzt in der Lodge Mädchen für alles. Während der Fahrt kamen wir schnell ins Gespräch, verstanden uns auf Anhieb und tauschten herzhaft lachend unsere Lebensgeschichten aus. Gegen Abend traf ich in der Lodge endlich auf ein durch und durch amerikanisches Pärchen, im Multi Kulti Amerika wohl eine Seltenheit? Bikeinterressiert, wollten sie alles von mir wissen 

                      

16. Juni bei Abfahrt am Morgen verabschiedete mich die russischstämmige Lodgemanagerin aufs herzlichste. Ihre Vorfahren waren aus Deutschland während sie in St. Petersburg geboren ist. In der Seele aber sei sie Deutsche und daher brennend an allem Deutschen interessiert. Meine Abfahrt verzögerte sich, aber gerade diese Gespräche und Kontakte sind es, die meine Reise so liebenswert machen. Das amerikanische Pärchen war wohl zu spät ins Bett gekommen und die Vorhänge ihres Zimmers waren noch fest geschlossen, so konnte ich leider nicht goodbye sagen. Ich fuhr weiter am Fluss entlang, die Hügel wurde immer steiler, rechts und links Wald und die Tiere – Bären, Rehe die über die Straße hüpften und Adler (Bald Head Eagles) die über unsere Köpfen kreisten. Als urbanes Wesen, in Großstadt geboren und aufgewachsen, kann ich die Gefahren der Natur so schlecht einschätzen. Ich lasse Krümels Körbchen mit der Regenfolie abgedeckt, damit die Adler auf keine dummen Gedanken kommen, Krümels Körpermaße passen ja gerade noch in ihre Nahrungskette. Pausen oder eine längere Rast mache ich oben auf den Hügeln und in offenem Gelände, so sehe ich was kommt und kann die Abfahrt ins Tal zum schnellen Rückzug nutzen. Ich fahre so vor mich hin als plötzlich ein Auto neben mir hält und wer winkt da aus dem Fenster? Das amerikanische Pärchen aus der Lodge. Sie wollten wissen, wieweit ich schon gekommen bin und mir noch alles Gute und einen Safe Trip wünschen. Ich war sprachlos. Es war anstrengend, die Hügel waren so steil, dass ich das Rad hochschieben musste. Du kommst nur schlecht voran – bergauf hiking mit 6 km/h, bergab biking mit 50 km/h – aber nach 40 KM bist du so erschöpft als wärest du schon 90 KM gefahren. An diesem Tag wollte ich auf dem ‚Soaring Eagle Campground‘ übernachten und lies mich von meinem GPS dahin leiten. Als ich endlich an die Stelle kam, wo der Campground hätte sein sollen, waren zwar herrliche Wiesen und Privathäuser direkt am Ufer des Delaware – aber – eben kein Campground. Ich machte erst mal Pause. Nach ein paar Minuten hielt ein Auto an, die Fahrerin fragte mich, ob ich etwas suche!? Well, this is supposed to be a campground – but there is none? Patricia, die Fahrerin lachte: du bist nicht die erste, die hier einen Zeltplatz sucht. Hier spinnen die GPS-Geräte, wir sind zu tief in den Bergen. Der Campground liegt noch ca. 30 KM entfernt von hier. Sie muss wohl mein enttäuschtes Gesicht bemerkt haben – dann sah sie Krümel – und lud mich ein in ihrer leerstehenden Logcabin am Fluss zu übernachten, dann könne ihre Westhighland-Terrier-Dame Gin Gin auch mit Krümel spielen. Es war eine herrlich ruhige Nacht in einem typischen Holzhaus mit Terrasse direkt über dem Fluss. Von hier aus beobachtete ich den Sonnenuntergang und schlafen konnte ich in einem richtigen amerikanischen Kingsize Bett. P.S. Krümel verliebte sich sofort in Gin Gin und konnte sich an diesem Abend so richtig in Patricias Garten austoben.

                  

17. Juni Heute wollte ich es unbedingt nach Hancock schaffen. Schon 3 Tage hatte ich keinen Mobilfunkempfang und konnte auch nicht ins Internet, ich hoffte in Hancock wieder mit der Welt in Kontakt treten zu können. Meine Kinder machen sich sicher langsam Sorgen wenn ich mich nicht melde. Außerdem stehe ich in ständiger Verbindung mit meiner schwedischen Radlschwester Ann, die jetzt in Richtung Russland unterwegs ist und auch ihren Laptop dabei hat, bin neugierig wie es ihr ergangen ist. Ich bedanke mich ganz herzlich bei Patricia für das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht hat, mit dem Versprechen in Verbindung zu bleiben. Krümel kann sich kaum von Gin Gin lösen. Wieder beginnt eine heftige Berg- und Talfahrt, muss fast 1000 Höhenmeter in ständigem Auf und Ab überwinden, leider sind die Auffahrten so steil, dass die schnellen Abfahrten nicht zum Aufschwung reichen, ich komme immer nur zu einem Drittel an den nächsten Hügel heran, den Rest muss ich schieben. Die Catskill Mountains machen mir schwer zu schaffen. Völlig erschöpft erreiche ich am Abend ein hübsches Motel im Kolonialstil. Ich bekomme ein Zimmer und will mich am nächsten Tag hier so richtig ausruhen. Die Managerin hat Rehpinscherdame Maud im Büro und gibt mir einen Krümelrabatt. Hier fühle ich mich sofort heimisch, alles ist sauber und zweckmäßig eingerichtet.lch habe sogar Wasserkocher und Kühlschrank im Zimmer. Als ich mir die Visitenkarte des Motels anschaue wird mir einiges klar: Besitzer sind Jeff und Ingrid Smith – deutschstämmige die das Motel im deutsch-amerikanischen Stil führen =amerikanischer Baustil und deutscher Service

Mein Hundehasser-Sohn hat vor kurzem doch glatt behauptet, dass mein Krümel hier in Amerika eine Spaßbremse für mich werden könnte. Weder in Restaurants, noch in Kaufhäuser oder in manche Hotels oder sogar auf staatliche Campingplätze kannst du hier deinen Hund mitbringen. Das mag schon stimmen, aber auf der anderen Seite habe ich gerade durch Krümel schon soviele nette Menschen kennengelernt und scheinbar gilt auch hier der Vertrauensvorschuss: Liebt dich der Hund, kannste als Mensch ja nicht so verkehrt sein!? So, und nun lass ich es mir im German-Colonial Motel so richtig gut gehen. Zum Abendessen gibt’s was besonders leckeres : Microwave- green pepper stuffed with meat and rice, covered in tomatoe sauce – ja liebes Renatchen – wenn Du das liest musst Du bestimmt erstmal ins dictionary schauen, stimmts?

Liebe Grüße an Euch alle, ich vermisse Euch!

6. bis 12. Juni 2009 Doylestown PA – Branchville NJ ca. 200 KM
Die große Tour beginnt

Endlich konnte es losgehen. Wir starteten von Doylestown aus auf der CR (country road) 611 in Richtung Norden. Die Sonne schien, es war angenehm warm. Wir kamen nur langsam voran, die Gegend hier in der Nähe der Appalachian Mountains ist sehr hügelig – es ging immer wieder rauf und runter.Der quirlige Verkehr nervte ein wenig, aber es existierte ein breiter Randstreifen und die Autos machten einen weiten, rücksichtsvollen Bogen um uns – so fühlten wir uns relativ sicher. An einer Tankstelle machten wir an diesem Tag unsere erste Rast. Plötzlich kam ein Mann auf mich zu und stellte die üblichen Fragen noch meinem woher und wohin. Zum Abschied wünschte er mir einen „safe trip“ und drückte mir 5 Dollar in die Hand. Ich war so perplex, dass ich mir nur bedanken konnte. Gegen Abend kam wir an unserem 1. Campground an – in Upper Black Eddy – oben auf dem Berg – die Rast mussten wir uns also erst verdienen. Dafür bekamen wir Familienbesuch von Buddy mit seinen Eltern, die uns mit Nudelsalat und Grillsteaks verwöhnten

Auch der 2. Tag war wieder Anstrengend, aber jetzt trafen wir auf den Delaware River bei Milford. Hier fuhren wir auf einem Radweg entlang des romantischen Ufers des Delaware. Wir kamen bis Phillipsburg, wo wir uns ein kleines Motel zur Übernachtung suchten.


Auch am 3. Tag blieben wir auf dem Uferradweg der uns immer wieder über Brücken ans andere Ufer des Delaware führte. Schon auf der 1. Brücke wurde ich von einem Beamten (Brückenwärter der den Brückenzoll kassierte) zurückgepfiffen – zu gefährlich für Radler, ich musste den Fußweg nehmen und das Radl schieben. Hier spürt man überall, man ist auf Sicherheit bedacht. Überall gibt es strickte speedlimits, die Autofahrer sind gegenüber Radfahrern sehr rücksichtsvoll. Einmal musste ich an einer Straßenbaustelle vorbei wo der Randstreifen nicht befahrbar war. Ich wollte warten, bis einen Moment lang kein Auto dort fährt, um diese Stelle zu passieren. Dann aber hielt ein Polizeiauto an, sperrte für mich die Straße ab und ich konnte in Ruhe diese „gefährliche Stelle“ passieren. Anschliessend fragte mich der Polizist, ob alles ok sei und fuhr dann wieder seines Weges. Ich war beeindruckt. An diesem Abend übernachteten Krümelchen und ich auf einem romantischen Campground direkt am Delaware River. www.driftstone.com dort bekam ich als Radlfahrer sogar einen Radlrabatt. Der Campingwirt suchte mit mir ein Gespräch als er hörte das ich aus Germany kam. Seine Schwiegermutter, die diesen Campingplatz einst gegründet hatte, war nach dem 1. Weltkrieg so um 1920 von Frankfurt am Main aus noch Amerika ausgewandert. In der Nacht zogen dann heftige Gewitter über unser Zelt hinweg, wir fühlten uns durch die hohen Bäume aber relativ geschützt.

                         


Am 4. Tag erwischte ich das gewohnte Radlertief , eine Waden jammerten, die Oberschenkel krampften und schrien trotz Einnahme von Magnesium nach STOP. So fuhren wir nur bis nach Portland, wo wir uns in einem Motel einquartierten. Hier kam ich mit dem Rezeptionisten ins Gespräch – als er meinen Reisepass sah, erzählte er mir, er sei vor 3 Jahren aus Polen ausgewandert. Direkt neben dem Motel gab es ein Travelcenter (eine Art Autobahnraststätte) wo ich mich im Restaurant über einen Riesenburger mit Käse und Salat hermachte.

5. Tag oder verloren in der Wildniss

 Es wurde spannend. Im Gedenken an meine schwedische Freundin Ann, mit der ich ja letztes Jahr mehrere Wochen durch Schweden und Finnland gefahren war und die mir beigebracht hatte, wie man Tarotkarten legt, behalte ich unser Ritual bei – jeden Morgen vor Abfahrt meine Tageskarte zu ziehen und so schon vorab ahnen zu können wie der Tag werden wird. Nun, für diesen 5. Tag hatte ich die 5 Schwerter gezogen, die nicht unbedingt Gutes verhiessen. Unbeeindruckt davon freute ich mich auf die Tour – heute sollte es durch das „Delaware Watergap und den dortigen National Forest gehen, hier teilt sich der Fluß in 2 Arme und bildet in der Mitte eine Insel - ein wunderschönes Naherholungsgebiet . Zunächst einmal musste ich den Delaware auf der Autobahnbrücke überqueren, natürlich auf dem Fußgängerweg. Die Brücke bebte und zitterte bei jedem Truck der uns in nur 1 Meter Entfernung, jenseits der niedrigen Betonwand überholte. Auf der anderen Seite ging es nun durch herrliche Waldgebiete. Rehe, Hasen und Schlangen kreuzten hier unseren Weg. Nach 20 KM kamen wir an einen Campingplatz des Stateparks. Hier liess uns das Schild : „No dogs allowed „ gleich weiterfahren. Tiefer im Wald, in noch einmal 20 KM gab es ja noch einen weiteren, privaten Campground, auf dem würden Hunde sicherlich erlaubt sein.

Der Weg zog sich in die Länge, ich musste immer wieder steile Hügel erklimmen. So kamen wir erst relativ spät, gegen 18 Uhr bei dem 2. Campground an. Dieser lagen einsam mitten im Wald. Bei meiner Ankunft wollte der dortige Platzwirt gerade in sein Pickup steigen und wegfahren. Er sagte mir, ich solle mir einen Platz aussuchen, ich wäre aber heute Nacht ganz alleine auf dem Campground, die anderen Gäste kämen immer nur am Wochenende. MHm – ganz alleine, mitten im dunklen Wald – unheimlich war das schon, ich würde in dieser Nacht sicherlich nicht so gut schlafen. Ich zögerte, aber ich war auch sehr erschöpft. Den ganzen Tag war es rauf und runter gegangen und ich war jetzt am Ende meiner Kräfte angelangt.

Ich lief mit Krümelchen über den Platz um die ideale Stelle zum campen zu finden, als plötzlich ein Braunbär aus dem Gebüsch kroch, um die Trailer lief und nach Essbarem suchte. Es war ein kleiner Babybär der sich weder von Krümel noch von mir stören liess. Nun, wo ein Babybär ist, da sind Mama und Papa sicher auch nicht weit. Plötzlich war mir der Campingplatz nun doch zu sehr bevölkert. Ich zückte mein GPS und schaute mich nach anderen Unterkunftsmöglichkeiten um. Ein kleines Motel lag mitten im Wald , ca 12 KM entfernt. Aber es lag oben auf dem Berg und ich hatte nur noch 1 Stunde Zeit bis es dunkel wurde. Ob ich das schaffen würde? Ich rief in dem Motel an, die hatten ein Zimmer frei und ich durfte Krümelchen mitnehmen. Also zog ich los und kam kaum voran. Der Weg führte steil nach oben, ich konnte das schwere Rad oft nur schieben. Schnell wurde es dunkel und ich hatte immer noch 7 KM zu fahren. Meine Kräfte verliessen mich und ich fühlte mich in der großen, dunklen Wildniss verloren. Es knackte ständig im Unterholz und ich stellte mir vor, wie es sein würde, wenn mir an der nächsten Wegbiegung ein Bär direkt gegenüberstehen würde. Als mir die Situation zu unheimlich wurde, rief ich per Handy in dem Motel an und die nette Wirtin dort, versprach mir, dass ihr Ehemann mir mit dem Auto entgegen kommen würde. Wie froh war ich, als ich in der Ferne die Scheinwerfer seines Autos sah. Die Zivilisation hatte mich wieder – ich würde überleben. Nachdem das ganze Gepäck in seinem Auto verstaut war, war es leicht für mich, die letzten 6 KM zu fahren und Krümelchen und ich kamen wohlbehalten im Forest Motel in Branchville an. Dusche, essen und Bett, wie herrlich und am nächsten Tag wollten wir sowieso erst mal eine Pause einlegen und unsere Kräfte sammeln.

Tag 6 und 7

Sehr nett sind die Leute hier im Motel. Aus Indien stammend, hatte sich der Hotelbesitzer, nachdem er mit dem Motorrad einmal den Globus umrundet hatte, Branchville als d e n Platz zum Leben für sich gefunden. Er und seine Familie hatten im letzten Jahr übrigens großes Glück – im Dezember hatte der Russ im Kamin seines Hauses über Nacht Feuer gefangen. Das Feuer hatte die Familie mit 2 Kindern im Schlaf überrascht. In letzter Minute konnten sie sich aus dem brennenden Haus retten. Jetzt geniessen sie ihr neu geschenktes Leben und sind überaus liebenswerte und hilfsbereite Gastgeber.

Montag. 25. Mai 2009
Memorial Day in Doylestown


Der Memorial Day ist ein Feiertag in Amerika, zum Gedenken an die Menschen die im Krieg für das Vaterland gestorben sind. Wir besuchen die Parade der Stadt Doylestown und reihen uns ein in die Menschenmenge am Straßenrand. Oldtimer , Feuerwehrautos und Schulklassen ziehen tanzend und musizierend an uns vorüber.

                                          

9. Mai 2009

Ankunft in Philadelphia

 

Am 9. Mai landeten Krümelchen und ich in Philadelphia Intl. Vorher hatte ich zusammen mit meinem Bikespezialisten - Fahrrad Landau in Hanau – das Radl zerlegt und in einem Fahrradkarton flugsicher verstaut. Den Bobtrailer brachte ich in einer übergrossen Reisetasche unter, Campingausrüstung und Kleidung wurden in der wasserdichten BOB-Trailer-Tasche verstaut.

2 x 23 KG erlaubten mir die Lufthansa , 8 KG Boardgepäck, für Fahrrad und Hund musste ich jeweils 150 Euro Übergepäck zahlen. Die Einreise mit Hund in Amerika war überhaupt kein Problem, Krümels Papiere waren alle in Ordnung, lediglich das mitgebrachte Hundefutter durften wir nicht einführen. Bike und Trailer kamen völlig unbeschädigt ans Ziel – alles war also in Ordnung – oder fast alles – bis auf mich.

Schon beim Ausstieg aus dem Flugzeug wurde mir schwindelig. Auf der Fahrt vom Flughafen nach Doylestown wurde mir immer schlechter, am Haus meines Sohnes angekommen, verschwand ich sofort ins Bett. Die nächsten 3 Tage wurde es immer schlimmer- Schwindel, extreme Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit. Ich konnte kaum laufen oder essen, wurde von Schwächewellen überrollt die mich sofort ins Bett zurücktrieben, lesen und schreiben bereitete mir Schwierigkeiten, alles verschwamm vor meinen Augen. Ängste kamen in mir hoch, was wenn ich auf dem Flug einen Schlaganfall erlitten oder mir in Thailand eine Hepatitis geholt hatte? Was wird aus meinem Traum, durch Amerika zu radeln? Am 4. Tag lies ich mich in der Ambulanz des örtlichen Krankenhauses untersuchen. Diagnose vestibulare Neuritis – ein Nerv im Innenohr war entzündet. Ich musste Antibiotika einnehmen und noch einige Tage Ruhe halten, dann wurde es langsam besser, mein inneres und äußeres Gleichgewicht wurden wieder hergestellt.

Erst mit 2 Wochen Verzögerung konnte ich mich nun an die Vorbereitung meiner Tour machen. Einer der 1. Wege führte mich zum AAA, dem Amerikanischen ADAC. Meine deutsche ADAC-Karte ist auch hier in Amerika gültig, so kann ich ein wenig bei Campingplatzgebühren, Hotelunterkünften, Autovermietungen und Eintrittsgeldern sparen. Darüber hinaus haben mir die netten Leute vom AAA tolle Straßenkarten und Campingplatzverzeichnisse ausgehändigt, die mir sicher auf der Tour weiterhelfen werden. Die Radkarten selbst hatte ich mir schon von Deutschland aus bei der amerikanischen -Adventure Cycling Association besorgt.

     

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